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Einflussfaktoren von Gehirnveränderung bei chronischen Schmerzen

Fachliche Zuordnung Kognitive, systemische und Verhaltensneurobiologie
Kognitive und systemische Humanneurowissenschaften
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 467661385
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Chronischer Schmerz ist eines der weltweit häufigsten Gesundheitsprobleme, welches sowohl die Betroffenen als auch das Gesundheitssystem extrem belastet und mit einer hohen Anzahl der in gesundheitlicher Beeinträchtigung verbrachten Lebensjahre einhergeht. Da chronischer Schmerz nur subjektiv wahrnehmbar ist, werden seit einiger Zeit objektiv messbare Kennwerte erforscht ("Biomarker"), die Aufschluss über die zugrundeliegenden Mechanismen und mögliche Therapieansätze geben können. Ein möglicher Biomarker sind charakteristische Veränderungen des grauen Hirnvolumens, die mit chronischen Schmerzerkrankungen einhergehen. In einer Kohortenstudie, die mehrere Tausend Teilnehmende aus der Allgemeinbevölkerung untersuchte, haben wir das graue Hirnvolumen von Teilnehmenden mit chronischen Rückenschmerzen, Migräne und craniomandibulärer Dysfunktion mit schmerzfreien Personen verglichen. Es fanden sich Reduktionen grauen Hirnvolumens in schmerzverarbeitenden Hirnregionen (Insel, anterior cingulärer Kortex), sowie im Hippocampus, welches auf belastende Lebensereignisse in den letzten 12 Monaten zurückzuführen war. In einer weiteren Studie, in der Teilnehmende mit sich chronifizierenden Rückenschmerzen zweimal über einen Zeitraum von durchschnittlich sieben Jahren untersucht wurden, zeigte sich, dass es nicht nur Reduktionen des grauen Hirnvolumens im parahippocampalen Gyrus gab, sondern auch ein Zuwachs im ventralen Striatum auftrat, welches eher emotionalen Netzwerken zugeordnet wird. Dies spricht dafür, dass sich im Verlauf der Erkrankung die Verarbeitung schmerzhafter Reize auf emotionale Netzwerke verlagert, wie es bereits zuvor postuliert wurde. Weiterhin hatten Personen, die später chronische Rückenschmerzen bekamen, zum ersten Zeitpunkt bereits weniger graues Hirnvolumen im rechten entorhinalen Cortex, der rechten Amygdala und dem linken medialen frontalen Kortex, was prädisponierende Risikofaktoren bei der Entwicklung chronischer Schmerzen darstellen könnte. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass das graue Hirnvolumen an charakteristischen schmerzverarbeitenden Schaltstellen bei chronischem Schmerz reduziert war, und dass sich im Verlauf einer Schmerzerkrankung das Gehirn plastisch verändert, so dass eine veränderte emotionale Verarbeitung von Schmerzreizen stattfindet.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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