Migration und Gesundheit in Grenzregionen im Kontext von COVID-19: Herausforderungen und Perspektiven für menschenrechtsbasierte Ansätze in Gesundheitspolitik und -versorgung im Andenraum Lateinamerikas.
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsprojekt untersuchte, ob und wie menschenrechtsbasierte Gesundheitsprogramme für Migrant*innen in den Grenzregionen des Andenraums von Lateinamerika während der COVID-19-Pandemie umgesetzt wurden. Die Studie konzentrierte sich auf Chile, Peru, Ecuador und Kolumbien, die schon vor der Pandemie mit mehr als fünf Millionen Geflüchteten allein aus Venezuela, sowie Menschen aus Haiti, Kuba, afrikanischen und asiatischen Ländern, zu Brennpunkten massiver Migrationsbewegungen geworden sind. Während der Pandemie waren Migrant*innen aufgrund von Grenzschließungen, erzwungener Immobilität und weiteren, aus ihrer besonderen Situation resultierenden Faktoren (unsichere Aufenthaltsrechte, Verlust sozialer Netzwerke, Xenophobie), in besonderer Weise von den gesundheitlichen und sozioökonomischen Folgen des Virus und der teils drastischen Eindämmungsmaßnahmen betroffen. Auf der anderen Seite existiert in den Andenländern ein vergleichsweise weit entwickelter politischer und rechtlicher Rahmen für menschenrechtsbasierte Gesundheitspolitik und Versorgungsansätze. In einigen Regionen besteht zudem eine starke Präsenz von internationalen Akteuren und Nichtregierungsorganisationen zur humanitären Unterstützung von Geflüchteten und Migrant*innen. Vor diesem Hintergrund hat ein interdisziplinäres Team von Forschenden aus Chile, Peru, Ecuador, Kolumbien und Deutschland zunächst theoretische und methodische Instrumente entwickelt, um die Implementierung menschenrechtsbasierter Ansätze zu Gesundheit und Migration systematisch zu erfassen. Im Zentrum stand dabei die differenzierte Analyse von sechs komplementären Dimensionen des Rechts auf Gesundheit zur Identifikation von konkreten Handlungsoptionen auf völkerrechtlicher, gesundheitswissenschaftlicher oder ethischer Grundlage. Anschließend wurden Feldstudien in ausgewählten Grenzregionen durchgeführt, um lokale Strukturen und Praktiken zu untersuchen. Im Ergebnis identifizierte das Forschungsprojekt breite Defizite bei der Implementierung existierender menschenrechtsbasierter Standards und Wissensbestände. Grundprinzipien wie „Universalität“ und „Nicht-Diskriminierung“ wurden etwa durch selektive Gesundheitsprogramme für einzelne Gruppen (z.B. Menschen aus Venezuela) missachtet. Einzelne, oft zeit- und projektgebundene Initiativen verschiedenster Akteure konnten das Fehlen kohärenter Strukturen und Programme nicht kompensieren. Soziale, strukturelle und politische Determinanten von Gesundheit wurden nicht im Sinne oder gar unter Einbeziehung der betroffenen Menschen gestaltet, und verfügbare rechtliche und politische Instrumente zum Schutz und zur Förderung der Gesundheit von Menschen im Migrationsprozess allenfalls punktuell genutzt. Vor allem in Grenzregionen wie im Norden Kolumbiens (Grenze mit Panama, „Darien“) zeigte sich dagegen eine Dominanz humanitärer Ansätze, die jedoch nicht in der Lage sind, das universelle Recht auf das höchste erreichbare Maß an Gesundheit von Migrant*innen – Kindern, Erwachsenen, Familien – zu schützen und zu gewährleisten.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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The Health Protection of Irregular Migrants at the Borders: The Case of the Darién Gap. Routed. Migration & (Im)mobility Magazine, issue #22.
Jaramillo A.
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Exploring the impact of Ecuador’s policies on the right to health of Venezuelan migrants during the COVID-19 pandemic: a scoping review. Health Policy and Planning, 38(9), 1099-1112.
Serrano, Córdova Claudia; Torres, Irene & López-Cevallos, Daniel
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Salud en fronteras: retos y oportunidades en salud con enfoque de derechos en migrantes de la Región Andina en Latinoamérica. El caso de la frontera Chile-Perú-Bolivia. Reporte de resultados de studio. Santiago de Chile: Universidad del Desarrollo. Socio Med. 2023.
Cabieses B. & Rocha T.
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“Border closure only increased precariousness”: a qualitative analysis of the effects of restrictive measures during the COVID-19 pandemic on Venezuelan’s health and human rights in South America. BMC Public Health, 23(1).
Rocha-Jimenez, Teresita; Olivari, Carla; Martínez, Alejandra; Knipper, Michael & Cabieses, Báltica
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Borders and liminality in the right to health of migrants in transit: The case of Colchane in Chile and Necoclí in Colombia. Journal of Migration and Health, 9, 100230.
Jaramillo, Contreras Andrea Carolina; Cabieses, Báltica; Knipper, Michael & Rocha-Jiménez, Teresita
