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Migrant Health at the Borders in Times of COVID-19: Assessing Gaps, Needs and Priorities in the Implementation of Human Rights-based Health Policies and Programs in the Andean Region of Latin America.

Subject Area Public Health, Healthcare Research, Social and Occupational Medicine
Term from 2021 to 2023
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 468252559
 
Final Report Year 2024

Final Report Abstract

Das Forschungsprojekt untersuchte, ob und wie menschenrechtsbasierte Gesundheitsprogramme für Migrant*innen in den Grenzregionen des Andenraums von Lateinamerika während der COVID-19-Pandemie umgesetzt wurden. Die Studie konzentrierte sich auf Chile, Peru, Ecuador und Kolumbien, die schon vor der Pandemie mit mehr als fünf Millionen Geflüchteten allein aus Venezuela, sowie Menschen aus Haiti, Kuba, afrikanischen und asiatischen Ländern, zu Brennpunkten massiver Migrationsbewegungen geworden sind. Während der Pandemie waren Migrant*innen aufgrund von Grenzschließungen, erzwungener Immobilität und weiteren, aus ihrer besonderen Situation resultierenden Faktoren (unsichere Aufenthaltsrechte, Verlust sozialer Netzwerke, Xenophobie), in besonderer Weise von den gesundheitlichen und sozioökonomischen Folgen des Virus und der teils drastischen Eindämmungsmaßnahmen betroffen. Auf der anderen Seite existiert in den Andenländern ein vergleichsweise weit entwickelter politischer und rechtlicher Rahmen für menschenrechtsbasierte Gesundheitspolitik und Versorgungsansätze. In einigen Regionen besteht zudem eine starke Präsenz von internationalen Akteuren und Nichtregierungsorganisationen zur humanitären Unterstützung von Geflüchteten und Migrant*innen. Vor diesem Hintergrund hat ein interdisziplinäres Team von Forschenden aus Chile, Peru, Ecuador, Kolumbien und Deutschland zunächst theoretische und methodische Instrumente entwickelt, um die Implementierung menschenrechtsbasierter Ansätze zu Gesundheit und Migration systematisch zu erfassen. Im Zentrum stand dabei die differenzierte Analyse von sechs komplementären Dimensionen des Rechts auf Gesundheit zur Identifikation von konkreten Handlungsoptionen auf völkerrechtlicher, gesundheitswissenschaftlicher oder ethischer Grundlage. Anschließend wurden Feldstudien in ausgewählten Grenzregionen durchgeführt, um lokale Strukturen und Praktiken zu untersuchen. Im Ergebnis identifizierte das Forschungsprojekt breite Defizite bei der Implementierung existierender menschenrechtsbasierter Standards und Wissensbestände. Grundprinzipien wie „Universalität“ und „Nicht-Diskriminierung“ wurden etwa durch selektive Gesundheitsprogramme für einzelne Gruppen (z.B. Menschen aus Venezuela) missachtet. Einzelne, oft zeit- und projektgebundene Initiativen verschiedenster Akteure konnten das Fehlen kohärenter Strukturen und Programme nicht kompensieren. Soziale, strukturelle und politische Determinanten von Gesundheit wurden nicht im Sinne oder gar unter Einbeziehung der betroffenen Menschen gestaltet, und verfügbare rechtliche und politische Instrumente zum Schutz und zur Förderung der Gesundheit von Menschen im Migrationsprozess allenfalls punktuell genutzt. Vor allem in Grenzregionen wie im Norden Kolumbiens (Grenze mit Panama, „Darien“) zeigte sich dagegen eine Dominanz humanitärer Ansätze, die jedoch nicht in der Lage sind, das universelle Recht auf das höchste erreichbare Maß an Gesundheit von Migrant*innen – Kindern, Erwachsenen, Familien – zu schützen und zu gewährleisten.

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