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COVID-19 und nomadischer Pastoralismus im Kontext von Krise und Strukturreform in Benin: von lokalem Risikomangement lernen

Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 468375783
 
Das Projekt untersucht die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen CO-VID-19-Pandemie sowie das Wissen und die Wahrnehmung dieser Phänomene an den Rändern des Infektionsgeschehens. Zu diesen Rändern gehören große Teile des afrikani-schen Kontinents, die zu den niedrigsten Infektionsraten weltweit gehören. Das Projekt geht diesen Dynamiken anhand einer Untersuchung von Pastoralisten nach, eine Gruppe, die auch im Schatten global zirkulierender Informationsströme lebt. Pastoralisten sind dafür ein besonders interessanter Fall: sie gelten einerseits als Experten im Umgang mit Unsi-cherheiten, während andererseits ihre Lebensgrundlagen in vielen Teilen Afrikas stark un-ter Druck geraten. Die Kernfrage des Projektes lautet, ob – und wenn ja wie und in wel-chem Ausmaß – Pastoralisten von einem Virus betroffen sind, das in ganz anderen Teilen der Welt wirksam ist. Das Projekt trägt damit zu einem besseren Verständnis der aktuellen Pandemie bei, und zwar nicht von deren Zentren aus, sondern von der vermeintlichen Pe-ripherie aus. Um die aktuellen Dynamiken zu untersuchen, greift das Projekt auf Ansätze der Sozialanthropologie und dem Sustainable Livelihood Framework zurück wobei es "Un-sicherheit" als zentrales theoretisches Konzept und analytische Linse verwendet. Da Frau-en oft als die Hauptleidtragenden von Pandemien angesehen werden, wird Gender als wei-tere Linse verwendet. Empirisch will das Projekt untersuchen, wie die Pandemie von Pasto-ralisten in verschiedenen Teilen Nordbenins erlebt, interpretiert und bewältigt wird. Daher werden zwei Fallstudien ethnographisch in zwei Regionen in Nordbenin untersucht: (1) pastorale Haushalte und (2) pastorale Frauenvereinigungen. Das Projekt verwendet einen Mixed-Methods-Ansatz, der aus teilnehmender Beobachtung, offenen und standardisierten Interviews, digitaler Kommunikation und Situationsanalyse besteht. Ein viel nuancierteres Bild davon zu zeichnen, wie und mit welchen Konsequenzen sich diese „globale“ Pande-mie an ihren Rändern entwickelt und wie Pastoralisten, die im Umgang mit Unsicherheiten besonders erfahren sind, die Folgen der Pandemie wahrnehmen, wird helfen, das Maß der Anpassungsfähigkeit von Pastoralisten in der Untersuchungsregion zu klären. Dieses Wis-sen ist wichtig, weil es die Zukunft des Pastoralismus in dieser Region beeinflussen könnte, aber auch, weil es zu einem besseren Verständnis der globalisierten Auswirkungen von Krisen beitragen könnte, die in China, Europa oder anderswo ihren Anfang nehmen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Benin
ausländischer Mitantragsteller Dr. Georges Djohy
 
 

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