Detailseite
Soziale Verarbeitung als Top-Down Moderator des Aufmerksamkeitsbias auf emotionale Gesichter
Antragsteller
Professor Dr. Dirk Wentura
Fachliche Zuordnung
Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung
Förderung seit 2021
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 468589563
Emotionale Gesichtsausdrücke stellen wichtige Signale im Alltag dar, die uns vor Gefahren warnen, uns günstige Gelegenheiten in der Umwelt aufzeigen und uns helfen, uneindeutige Situationen zu interpretieren. Entsprechend haben viele Studien gezeigt, dass das menschliche kognitive System emotionale Gesichter auf besondere Weise verarbeitet. Ob emotionale Gesichtsausdrücke automatisch die visuelle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist jedoch umstritten. So legen manche Studien nahe, dass es einen generellen Aufmerksamkeitsbias auf emotionale (insbesondere bedrohliche) Gesichtsausdrücke gibt. Andere Studien hingegen legen nahe, dass sich dieser Bias nicht generell, sondern lediglich bei ängstlichen Personen findet. Vor dem Hintergrund von Theorien der Aufmerksamkeitsforschung vermuten wir, dass diskrepante Ergebnisse sich dadurch erklären lassen, dass der Bias top-down durch den aktuellen Zielkontext moderiert wird. Entsprechend dieser Annahme fanden wir mit Varianten des Cueing-Paradigmas bereits in einer Reihe von Experimenten, dass Probanden (nur) dann einen Aufmerksamkeitsbias auf wütende Gesichter zeigen, wenn die Aufgabe eine soziale Verarbeitung der aufgabenrelevanten Stimuli verlangt. In der ersten Projektphase fanden wir eine Reihe bestätigender und weiterführender Ergebnisse. Wir konnten den Bias für wütende Gesichter und seine Abhängigkeit von einem sozialen Verarbeitungsmodus in einer EEG-Studie (mit der sog. N2pc-Komponente als einem Index für räumliche Aufmerksamkeit) nachweisen. Ein erfolgreicher Transfer gelang zum perceptual load-Paradigma. In diesem Paradigma wird gezeigt, dass aufgabenirrelevante Reize nicht einfach nur Aufmerksamkeit attrahieren, sondern auch das Verhalten auf den Zielreiz verändern. Allerdings tritt dies typischerweise nur in perzeptuell kargen Kontexten, aber nicht in perzeptuell komplexen Kontexten auf. Wir konnten erstmals zeigen, dass emotionale Gesichter entgegen dieser Regel auch in perzeptuell komplexen Kontexten das Verhalten beeinflussen. Wir konnten die Biases auch in Varianten der Visuellen Suche nachweisen. Die erste Projektphase warf aber auch einige weiterführende Fragen auf, die in der Fortsetzung geklärt werden sollen: (a) Um die perceptual load-Ergebnisse klarer zu interpretieren, muss geklärt werden, ob es sich um Effekte der räumlichen Aufmerksamkeit handelt. (b) Verschiedene Ergebnisse der ersten Projektphase deuten darauf hin, dass die Gesichter mit neutralem Gesichtsausdruck eine besondere Rolle spielen: liegt die Aufmerksamkeit auf ihnen, scheint es Probleme der Aufmerksamkeitsablösung zu geben. Diese Prozesse haben möglicherweise auch Rückwirkungen auf die korrekte Interpretation der Cueing-Ergebnisse. (c) Auch die Ergebnisse mit der Visuellen Suche sind mit Interpretationsmehrdeutigkeiten belastet, die geklärt werden müssen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
