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Äpfel handeln. Eine Multispecies Ethnografie ländlicher Ökonomien

Antragstellerin Dr. Arnika Peselmann
Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung Förderung seit 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 469261901
 
Das Projekt erforscht Menschen-Pflanzen-Beziehungen in der intensiv betriebenen Landwirtschaft aus Perspektive der Multispecies Studies. Am Beispiel von Apfelzucht und -anbau im Alten Land nahe Hamburg untersucht die europäisch-ethnologische Studie speziesübergreifende Interaktionen in ländlichen Ökonomien und fragt nach handlungswirksamen Vorstellungen und Wissensbeständen ‚vom Apfel‘ ebenso wie nach Formen pflanzlichen Handelns. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur Entwicklung eines vertieften Verständnisses für die Interdependenzen von Menschen mit anderen Lebensformen, das angesichts globaler Klimaerwärmung und anderer, häufig unter dem Begriff des Anthropozäns gefasster ökologischer Krisen von wissenschaftlicher wie gesamtgesellschaftlicher Relevanz ist. Zur Operationalisierung der Forschung werden die spezifischen Akteurskonstellationen, Diskurse und Praktiken von vier Handlungsfeldern im Detail untersucht. Das ist erstens das habitualisierte Wissen von Praktiker:innen im Erwerbsobstbau und die konkreten Mensch-Apfel(baum)-Interaktionen vor dem Hintergrund einer Industrialisierung, aber auch einer unter dem Begriff der „Agrarwende“ angestrebten Ökologisierung der Landwirtschaft. Zweitens begleitet das Vorhaben die kollaborative Wissensproduktion zwischen Erzeuger:innen und Forschung mit Fokus auf Maßnahmen zur Klimawandelanpassung im Obstbau: Welche Zukunftsszenarien werden entworfen, welche Technologien und neuen Multispecies-Konstellationen in Versuchsfeldern erprobt und wie gestalten Pflanzen und andere Lebensformen den Transformationsprozess mit? Drittens wird das Handlungsfeld der Sortenzüchtung untersucht mit Fragen, wie pflanzliches Leben verhandelt wird, das durch Zucht inwertgesetzt, im Selektionsprozess jedoch auch zu Tausenden vernichtet wird. Hier werden auch Positionierungen gegenüber gesamtgesellschaftlich kontrovers geführten Debatten um die Eigentumsrechte an pflanzengenetischem Material und biotechnologischen Verfahren herausgearbeitet. Viertens wird mit Blick auf Streuobstwiesen und anderen extensiv genutzten Flächen nach alternativen Menschen-Apfel(baum)- und Multispecies-Beziehungen und divergierenden Vorstellungen von Nachhaltigkeit gefragt.Das Projekt verbindet Konzepte der bislang getrennt agierenden interdisziplinären Multispecies Studies mit denen der Rural- und Agro-Food Studies und ergänzt diese mit Ansätzen aus der kulturwissenschaftlichen Arbeitskulturen-, Kulturerbe- und Zukunftsforschung. Die Studie basiert auf ethnografischer Feldforschung mit qualitativen Interviews und teilnehmender Beobachtung, die es ermöglicht, nicht-verbalisiertes Wissen und körperliche Interaktionen in Multispecies-Konstellationen zu erfassen. Davon ausgehend will die Forschung einen Beitrag zur empirisch fundierten Theoretisierung von Menschen-Pflanzen-Beziehungen in ländlichen Ökonomien leisten und somit landwirtschaftliche Transformationsprozesse kritisch begleitet.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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