Detailseite
Siedlungsumfeld Seddin _ SISE Die Siedlung des „König Hinz“? Eine Siedlung bei Seddin in unmittelbarer Nähe der jungbronzezeitlichen Großgrabhügel im Spannungsfeld zwischen Dorf, Großsiedlung oder Herrschaftssitz
Antragsteller
Dr. Immo Heske; Professor Dr. Franz Schopper
Fachliche Zuordnung
Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 469936617
Für das direkte Umfeld der spätbronze- und früheisenzeitlichen Bestattungen unter Grabhügeln, darunter die monumentalen Grabhügel „Wickbold`scher Berg“ (historisch abgetragen) und das erhaltene „Königs-grab“ von Seddin, Kr. Prignitz, gelang der Nachweis eines ausgedehnten zeitgleichen Siedlungsareals. Verschiedene Facetten des Siedlungswesens verteilen sich nebeneinander in der Landschaft oder über-lagern sich: Wohnen, Arbeiten und Speichern sowie Aktivitäten, die sich rituellen Kontexten zuschreiben lassen, sind zu verorten. Die mit den Grablegen herausgearbeiteten Kontakte in die Nordische Bronzezeit können nun auch im rituellen Kontext und Wohnen ergänzt werden. Die Projektarbeiten konzentrieren sich auf das Siedlungsgefüge, dessen Struktur und wirtschaftliche Grundlagen zu ermitteln sind und dessen jeweiliges chronologisches Verhältnis zur Belegung der Grabhügel herauszuarbeiten ist. Seit Februar 2023 laufen intensive interdisziplinäre Forschungen im Bereich zwischen der Grablege des „König Hinz“ und dem sogenannten Wickbold´schen Wäldchen. Die Befundgrenzen der Siedlung sind bei einer prospektierten Ausdehnung von mittlerweile über 20 ha noch nicht erfasst und machen eine Fortführung der geophysikalischen Prospektionen erforderlich. Herausragend ist der Nachweis von mehreren, teilweise sehr gut erhaltenen Gebäudegrundrissen. Neben einem monumentalen Großbau wurden auf zwei untersuchten Fundplätzen weitere jungbronzezeitliche Hausgrundrisse dokumentiert werden. Der Gebäudebestand für Seddin umfasst insgesamt ca. 16 Häuser. Die Ausgrabungen führten weiterhin zum Nach-weis von verschiedenen Arealen mit Gar- bzw. Feuergruben, die als typische Erscheinung der nordischen Bronzezeit angesehen werden können. Eine innere Gliederung des weit aufgespannten Siedlungsgefüges ist in Ansätzen erkennbar und wird unterstützt durch ein quantitativ variierendes Fundspektrum im Bereich der Siedlungskeramik. Knochenfunde liegen aufgrund der Erhaltungsbedingungen von einer Ausnahme abgesehen nicht vor. Dagegen konnten durch umfangreiche Beprobungs- und Schlämmprogramme Nutzungsaspekte der Gebäude und bei der vegetabilen Nahrung gewonnen werden. Erste Gießformfragmente liefern Hinweise auf ein lokales, bronzezeitliches Metallhandwerk. Mit der Ausweitung der Prospektionen auf bisher weniger im Fokus stehende Areale, besonders südlich des „Königsgrabes“ im Bereich der abgetragenen Grabhügel des „Kahlhorst“ konnte nach vorheriger geo-physikalischer Prospektion eine erste Probegrabung durchgeführt werden, die wiederum Befunde der Perioden V und VI erbrachte. Hierdurch hat sich der Blick zur Ausdehnung, Struktur und zeitlichen Gliederung eines sehr ausgedehnten Areals geändert, der besonders durch die rezente Vegetation bisher beeinflusst worden war. Damit rückt der Flußlauf der Stepenitz näher an die Aktivitätszonen heran.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
