Die Chronik von Johannes von Nikiu: text-kritische Edition und digitale Forschungsplattform
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die Chronik von Johannes von Nikiu ist ein einzigartiges historiografisches Werk und eine wichtige Quelle für Historiker der Spätantike. Sie wurde im 7. Jh. von einem ägyptischen Bischof namens Johannes in der Stadt Nikiu zur Zeit der arabischen Eroberung Ägyptens verfasst. Der Text wurde höchstwahrscheinlich in Koptisch geschrieben und später ins Arabische übersetzt. Es sind jedoch keine physischen Spuren dieser Versionen erhalten. Zu Beginn des 17. Jh. wurde die Chronik ins Äthiopische übersetzt, und diese Übersetzung ist die einzige überlieferte Version des Werkes. Die Chronik gibt einen Bericht über den Niedergang der römischen Herrschaft und die arabische Eroberung Ägyptens, verfasst von einem Augenzeugen auf der ägyptischen Seite, der anscheinend auch einige ansonsten unbekannte Quellen einbezog. Sie stellt somit ein einzigartiges historisches Dokument dar. Als unentbehrliche Quelle für das Studium Ägyptens unter römischer Herrschaft und der arabischen Eroberung Ägyptens dient sie auch als entscheidendes Zeugnis für zentrale Ereignisse dieser Zeit. Darüber hinaus ist der Text, da er auf verschiedenen Quellen basiert, auch ein wichtiges indirektes Zeugnis für andere Traditionen, von denen die bedeutendste die Chronik von Johannes Malalas ist. Das Projekt hat mehrere entscheidende Meilensteine im Studium dieses komplexen und wichtigen historischen Dokuments erreicht. Zunächst wurde eine neue kritische Edition erstellt, die auf allen verfügbaren Zeugen basiert, zusammen mit einer englischen Übersetzung. Diese Übersetzung wird begleitet von einem detaillierten philologischen Kommentar, einem Apparat von Paralleltraditionen und einem System von Hochzahlen, das den Lesern hilft, mehrdeutige äthiopische Begriffe zu erkennen. Darüber hinaus wurde ein separater Band mit der englischen Übersetzung und historischen Kommentaren von Phil Booth für die Veröffentlichung vorbereitet. Die neue Ausgabe und Übersetzung unterscheiden sich erheblich von den Veröffentlichungen von Hermann Zotenberg (1883) und Robert H. Charles (1916), die jahrzehntelang als Standardreferenzen für die Chronik dienten. Neben der Einbeziehung neuer Quellen vermeidet die neue Ausgabe unnötige Emendationen und zielt darauf ab, die ursprüngliche Stimme von Johannes von Nikiu wiederzugeben. Darüber hinaus hat das Projekt bedeutende neue Erkenntnisse zur Geschichte der Überlieferung der Chronik gewonnen, darunter den hypothetischen Verlust eines ihrer Kapitel, eine detaillierte Untersuchung der Umstände ihrer Übersetzung ins Äthiopische und ihre Verwendung als Quelle für traditionelle äthiopische Kommentare. Darüber hinaus bieten meine Kommentare Einblicke in den Prozess der Übertragung des Textes zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen sowie in die Bedeutung der Chronik für das Studium der Literatur der Spätantike im Allgemeinen. Die Edition hebt auch neue lexikalische Elemente und grammatische Merkmale hervor, die für das Studium der äthiopischen Sprache von Bedeutung sind.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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The Chronicle of John of Nikiu: Text-Critical Edition and Digital Research Platform. Comparative Oriental Manuscript Studies Bulletin, 7 (2021), 241–245
Elagina, D.
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The Colophon of the Chronicle of John of Nikiu and Ethiopic ḥassāb. Comparative Oriental Manuscript Studies Bulletin, 9/1–2 (2023), 59–66
Elagina, D.
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‘Overlevering door toeval: het verhaal van de Kroniek van Johannes van Nikiu’, Platform Oosters Christendom
Elagina, D.
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Editing and Translating a Historical Source: The Case of the Chronicle of John of Nikiu. Supplement to Aethiopica. International Journal of Ethiopian and Eritrean Studies, 49-74. Harrassowitz Verlag.
ELAGINA, DARIA
