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Untersuchung der intermolekularen Dynamik angeregter Zustände in molekularen Halbleitern

Antragsteller Dr. Sebastian Hammer
Fachliche Zuordnung Experimentelle Physik der kondensierten Materie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 490894053
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Molekulare Halbleiter sind Materialien, die aus van-der-Waals gebundenen Einheiten einzelner Moleküle aufgebaut sind. Aufgrund der schwachen intermolekularen Wechselwirkung sind die optischen und elektronischen Eigenschaften dieser Materialien in einem statischen Bild hauptsächlich durch die Eigenschaften der molekularen Einheiten und deren Orientierung zueinander bestimmt. Die weichen van-der-Waals Bindungen ermöglichen große Amplituden von Gitterschwingungen, die die relative Lage der Moleküle auf Zeitskalen von elektronischen Anregungen dynamisch verändern können und sogar quasi-statische Gitterverzerrungen sind möglich. Während der elektronische Teil dieser Prozesse durch spektroskopische Techniken sehr gut abbildbar ist, ist der nukleare Teil, d.h. die Dynamik der molekularen Einheiten, oft nur indirekt durch quantenchemische Simulationen zugänglich, die aufgrund der Größe der Einheitszelle oft nur mit großem Rechenaufwand durchführbar sind. Das vorliegende Projekt soll die Gitterdynamik und Gitterverzerrungen die optisch angeregte Zustände begleiten mittels ultraschneller Elektronenbeugung direkt beobachten. Die Datenanalyse erfolgt mittels eines im Rahmen des Projekts eigens entwickelten Softwarepakets. Eines der Untersuchten Materialsysteme ist der molekulare Halbleiter Zinkphthalocyanin (ZnPc) in seinem kristallographischen ɑ-Polymorph. Dieses Material wird zum Beispiel als Donor in organischen Solarzellen untersucht und ist ein prototypisches Exzimer Material. Bei der Exzimerbildung wird ein molekulares Exziton durch eine Gitterverzerrung energetisch stabilisiert und in einen langlebigen Zustand überführt. Die durchgeführten Beugungsexperimente zeigen, dass die Exzimerbildung in ZnPc in zwei Schritten stattfindet. Nach einer schnellen (~400 fs) Verringerung des intermolekularen Abstands zweier benachbarter Moleküle führen diese eine Scherbewegung aus um ihre π-Systeme auszurichten (~15 ps), was der finalen Exzimergeometrie entspricht die über 300 ps stabil ist. Durch die neuen experimentellen Einblicke, ließ sich der Parameterraum für quantenchemische Rechnungen passgenau einschränken, sodass weitere Einblicke in die genaue Geometrie in angemessenem Zeit- und Rechenaufwand gewonnen werden konnten. Zum ersten Mal konnte so die strukturelle Dynamik der Exzimerbildung direkt beobachtet werden. Da Mess- und Analysemethoden sich direkt auf weitere Systeme übertragen lassen können nun direkt technolgierelevante Systeme untersucht und beispielsweise Verlustkanäle identifiziert und modifiziert werden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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