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Religion und Religionskritik. Eine Theorie über die Dynamik der Religionsentwicklung ausgehend von der Philosophie Ernst Cassirers

Antragsteller Dr. Georg Jacob Hesse
Fachliche Zuordnung Katholische Theologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 490996084
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Religionskritik wird für gewöhnlich als Antipode zur Religion wahrgenommen. Sie scheint Religion aus säkularer Perspektive in Teilen oder ganz grundsätzlich in Frage zu stellen. In meinem Forschungsprojekt habe ich ausgehend von der Philosophie Ernst Cassirers versucht zu zeigen, dass dieses Bild von Religionskritik nicht alternativlos ist. Für Ernst Cassirer zeichnet sich das „spezifisch religiöse Bewusstsein“ durch eine kritische Einstellung gegenüber dem mythischen Denken aus. Mythisches Denken wiederum wird für Cassirer u.a. dadurch charakterisiert, dass hier nicht zwischen Bild und Sache bzw. zwischen Repräsentation und Repräsentiertem unterschieden wird. Für das mythische Denken drückt die Welt, die nach Cassirer zeitlich und örtlich gemäß den Kategorien heilig und profan gegliedert wird, bestimmte Emotionen und Gefühle aus. Hinzu kommt, dass bestimmte Tätigkeiten, Orte oder Gegenstände tabuisiert werden, wodurch die soziale Ordnung gestärkt, die Freiheit des Menschen aber zugleich eingeschränkt wird. Mit dem religiösen Bewusstsein wird nach Cassirer eine Unterscheidung zwischen Bild und Sache bzw. zwischen Repräsentation und Repräsentiertem eingeführt, die dem mythischen Denken fremd ist. Dies ist für Cassirer auch mit einer Befreiung aus der engen und als alternativlos empfundenen Weltsicht des mythischen Denkens verbunden. Cassirers Überlegungen zu mythischem Denken und Religion können nur vor dem Hintergrund seiner philosophischen Grundannahmen vollständig nachvollzogen werden. In Anlehnung an Kants transzendental-philosophischen Ansatz argumentiert Cassirer, dass die objektive Welt uns nicht einfach gegeben ist, sondern vielmehr erst durch die symbolische Aktivität unseres Geistes konstituiert wird. Es wurde im Forschungsprojekt erarbeitet, wie das Verhältnis von Sprache, Objektivität und Wahrheit in Cassirers Philosophie zu verstehen ist und was daraus für sein Verständnis von Religion folgt. Dabei wurden auch einige Schwachstellen von Cassirers Ansatz in den Blick genommen. So hat es sich als besonders schwierig erwiesen, aus Cassirers Überlegungen einen präzisen Begriff von Religion abzuleiten, da er deskriptive mit normativen Elementen mischt und viele Fragen zum genauen Verhältnis zwischen mythischem Denken und Religion offen lässt. Anstatt primär die empirische Angemessenheit seines Religionsbegriffs zu reflektieren, wurde deswegen untersucht, wie auf der Basis von Cassirers Philosophie das Verhältnis von Religion und Dogmatismus bestimmt werden kann. In diesem Zuge wurde dargelegt, dass Religionen nicht notwendigerweise mit Engstirnigkeit und Dogmatismus hinsichtlich der eigenen Position verbunden sind. Stattdessen wurde mit Cassirer dafür plädiert, dass „wahre“ Religion sich durch ein selbstkritisches Verhältnis gegenüber ihren Inhalten auszeichnet und auch das Potential besitzt, ganz grundsätzlich mythisches Denken und Dogmatismus in unserer Gesellschaft zu kritisieren.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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