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Dekoloniale Alternativen angesichts globaler Bedrohungen der biokulturellen Diversität: Indigene Auseinandersetzungen mit der Agrobiodiversität und dem Spracherhalt in Yukatan, Mexiko

Antragstellerin Dr. Eriko Yamasaki
Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 492410488
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Projekt, das im transdisziplinären Forschungsfeld der biokulturellen Diversität zu verorten ist, untersuchte indigene Auseinandersetzungen mit dem Erhalt der Agrobiodiversität und der autochthonen Sprache auf der Halbinsel Yukatan, Mexiko. Auf der Halbinsel Yukatan spielen Alltagspraktiken der yukatekischen Mayasprecher:innen eine zentrale Rolle bei dem Erhalt der lokalen biokulturellen Diversität. Die Sortenvielfalt von Nutzpflanzen, darunter insbesondere Mais, wird durch die traditionelle milpa-Landwirtschaft der mayasprachigen Bevölkerung in situ erhalten. Parallel findet die intergenerationelle Vermittlung der yukatekischen Maya-Sprache als Teil der Kindessozialisation im Familien- und Gemeinschaftsleben statt. Der Erhalt der agrobiologischen und linguistischen Diversität steht jedoch vor einer großen Herausforderung, da sich immer mehr Menschen von der traditionellen Landwirtschaft abkehren und die spanische Sprache für die Sozialisation ihrer Kinder bevorzugen. Angesichts der zunehmenden Bedrohung der lokalen biokulturellen Diversität ist inzwischen ein wachsender Aktivismus der Yukatekischen Maya zu beobachten, der sich für die Bewahrung der lokalen Biodiversität und ihrer Sprache einsetzt. Das Projekt identifizierte drei Hauptgebiete, in denen die indigene Bevölkerung in Yukatan sich für den Erhalt der biokulturellen Diversität engagiert: (i) Alltagspraktiken im ländlichen Habitus, (ii) Börsen von lokalem Saatgut und (iii) digitaler Aktivismus. Die Feldforschungen mit Sprecher:innen des yukatekischen Maya, die sowohl vor Ort als auch im Internet stattfanden, zeigten, wie sich diese heterogenen Sphären zu einer Assemblage des Widerstands entwickeln, der indigene Lebensweisen gegen den Homogenisierungsdruck zu verteidigen versucht. Saatgut-Börsen und digitaler Aktivismus sind unmittelbar im ländlichen Habitus verwurzelt. Ihre Reichweite geht jedoch über die Grenzen der einzelnen lokalen Gemeinden hinaus. Während der ländliche Habitus als Basis für den Erhalt der biokulturellen Diversität zunehmend zerbröckelt, sind Saatgut-Börsen und digitaler Aktivismus als aktive soziale Bewegungen zu verstehen, die weitere Akteure für das Ziel sensibilisieren und einbeziehen. Angesichts des Homogenisierungsdrucks der ökonomischen Globalisierung, kann die Bestrebung der Yukatekischen Maya für die Bewahrung der Agrobiodiversität und ihrer Sprache als indigener Gegenentwurf zum aktuellen “Homogenozän“ betrachtet werden, das einen Verlust der Vielfalt in mehreren Dimensionen verursacht.

Link zum Abschlussbericht

https://doi.org/10.18452/34442

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • “Biokulturelle Diversität – über den Zusammenhang zwischen linguistischer und agrobiologischer Vielfalt auf der Halbinsel Yukatan, Mexiko“, Vortrag im Seminar “Sprachenvielfalt und Typologie“ von Prof. Dr. Melanie Uth, Universität Potsdam, Potsdam.
    Yamasaki, Eriko
  • “Global threats to biocultural diversity and decolonial alternatives: Indigenous engagements with agrobiodiversity in Yucatan, Mexico”, 17th European Association of Social Anthropologists Biennial Conference, Belfast.
    Yamasaki, Eriko
  • Nurturing Alternative Futures. Routledge.
    Kavesh, Muhammad & Fijn, Natasha
  • “Food security between cultivating maize and buying tortillas: Shifting foodways among the Yucatec Maya in contemporary Mexico”, Workshop “Politics of basic foodstuff in times of crisis (17th-20th century)”, Philipps-Universität Marburg, Marburg.
    Yamasaki, Eriko
  • “Memes in Yucatec Maya: Indigenous language activism between virality and rootedness”, Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie, München.
    Yamasaki, Eriko
  • “Milpa und yukatekisches Maya – indigene Auseinandersetzungen mit dem Erhalt der biokulturellen Diversität auf der Halbinsel Yukatan, Mexiko”, Forschungskolloquium “Die Amerikas: Forschungskolloquium zu den Amerikas aus kulturwissenschaftlicher Sicht”, Ludwig-Maximilians-Universität München, München.
    Yamasaki, Eriko
 
 

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