Ethik der Universität
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Universitäten (und Hochschulen) sind durch die Verbindung von Forschung und Bildung die wichtigsten gesellschaftlichen Orte, in denen am wissenschaftlichen Wissen gearbeitet und es der Gesellschaft zugänglich gemacht wird. Wie Universitäten ihre Forschungs- und Bildungsaufgabe gestalten, wie sie sich dafür intern aufstellen und Planungs- und Entscheidungsverfahren organisieren, in welcher Weise sie mit der gesellschaftlichen Umwelt kommunizieren und in welchen Formen diese zugleich auf die Ausrichtung universitärer Leistungen Einfluss nimmt, hat erhebliche Bedeutung für die Vernünftigkeit gesellschaftlicher Praxis. Das Projekt zielte darauf ab, die der Universität adäquaten normativen Grundlagen zu erschließen und daraus Folgerungen für die Gestaltung von Prozessen und Strukturen der Universität in Wahrnehmung ihrer Aufgaben und in der Gewährleistung ihres Gesellschaftsbezugs zu ziehen. Der wissenschaftliche Fortschritt liegt besonders in dieser Verbindungsleistung: Zum einen werden normative Grundlagen auf den bedeutsamsten gesellschaftlichen Ort der Arbeit am wissenschaftlichen Wissen bezogen, zum anderen wird der vielfältig stattfindenden, häufig empirisch und kleinteiliger ansetzenden Hochschulforschung ein normativer Diskursrahmen angeboten. Verbunden werden auch Forschung und wissenschaftliche Bildung. Letztere wird konsequent als Bildung durch Wissenschaft konzipiert und der Bildungswert der Wissenschaft und der ihr immanenten Normativität erschlossen. Exemplarische Verdeutlichung: Der universalistische Wahrheitsanspruch der Wissenschaft schlägt sich in der Bildung als Befähigung zum reflektierten Umgang mit Wahrheitsansprüchen nieder, dem – zunehmende – gesellschaftliche und politische Bedeutung zukommt. Der Universalismus des Geltungsanspruchs ist angesichts der Perspektivität der je konkreten Forschungspraxis von der Bedingung abhängig, dass es keine gruppenbezogene Selektivität im Zugang zur scientific community gibt. Gerechtigkeit im Zugang zur wissenschaftlichen Bildung sowie zu weiteren wissenschaftlichen Karrierewegen ist deshalb nicht nur ein subjektiver moralischer Anspruch; vielmehr stellt die Gewährleistung von Diversität ein Funktionserfordernis der Wissenschaft selbst dar. Forschung in ihrem Anwendungsbezug kommt mit anderen Geltungsansprüchen – insbesondere ethischen, weltanschaulichen oder religiösen und politischen – in Berührung. Das dafür benötigte reflektierte Verständnis des Spezifikums, der Leistungen und Grenzen der Wissenschaft und ihrer Vermittlung mit anderen Ansprüchen ist auch für eine wissenschaftliche Bildung zentral, die zur Anwendung von Wissenschaft in gesellschaftlichen Praxisfeldern befähigen will.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Universität der Gesellschaft. In: Feinschwarz. Theologisches Feuilleton
Laux, Bernhard & Sturm, Rita
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Universität in gesellschaftlicher Verantwortung. In: Das Hochschulwesen 72 (1+2), S. 11-22
Laux, Bernhard & Sturm, Rita
