Reisedarstellung in viktorianischen Publikumszeitschriften: Mediale Konfigurationen und kulturelle Funktionen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Für die zweite Hälfte des 19. Jh. lässt sich in Großbritannien eine Konvergenz von Reise- und Zeitschriftenkultur beobachten. In dem Buchprojekt, das mit einem Vertretungssemester gefördert wurde, wird untersucht, wie britische Publikumszeitschriften in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Darstellungen zum Thema Reisen gemäß ihrer spezifischen Medienlogik konfigurierten und so auf die zeitgenössische Reisekultur einwirkten. Zeitschriften als Produkte eines sich demokratisierenden Printmarktes trugen dazu bei, dass sich die Praxis des Reisens demokratisierte. Mit dieser Perspektive wird ein neuer Zugang zur Erforschung der Reisekultur und des Reiseschrifttums eröffnet, denn der Nexus von (viktorianischer) Reise- und Zeitschriftenkultur wurde bislang nicht erfasst. Im Vergleich zum Buch erreichten berichtende, beschreibende und ratgebende Zeitschriftenartikel nicht nur sozial breiter gestreute Leserschaften; sie waren in Nummern und Bänden thematisch vernetzt und erschienen in kurzen und längeren (serialisierten) Formen; in kleinen Formen konnten sie ‚kleine‘ Reisen in den Blick zu rücken, die nicht buchwürdig gewesen wären. Es ist eine zentrale These der Studie, dass Publikumszeitschriften dazu beitrugen, dass das Reisen sich in die Kultur des 19. Jh. einschrieb und Leserinnen und Leser an Vorstellungen, Diskurse und Praxen des Reisens gewöhnt bzw. zum Reisen geradezu angeleitet wurden. An Reiseartikeln in Zeitschriften ist erkennbar, wie breit und vielfältig die viktorianische Kultur am Reisen interessiert war, und die Periodizität des Mediums erlaubt Beobachtungen zur Entwicklung des Reisens in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Angesichts der Masse viktorianischer Zeitschriften muss sich das Projekt auf wichtige Beispiele konzentrieren und untersucht Familienzeitschriften (Leisure Hour und Good Words), Frauenzeitschriften (Englishwoman’s Domestic Magazine und Lady’s Treasury), Jugendzeitschriften (Boy’s Own Paper und Girl’s Own Paper) sowie Zeitschriften für die arbeitende Klasse wie den British Workman.
