Music Under New York. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Selbstkonzepte und das Wohlbefinden von Straßenmusiker*innen im MUNY-Programm
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Straßenmusik nimmt eine wichtige Rolle im kulturellen Leben urbaner Räume ein. Sie ermöglicht Künstler:innen kreative Selbstverwirklichung, Einkommensgenerierung und Identitätsbildung. Gleichzeitig fördert sie soziale Interaktion und kulturelle Vielfalt. Doch die Arbeitsbedingungen für Straßenmusiker:innen sind oft prekär: Konkurrenz um Auftrittsorte, restriktive Vorschriften sowie gesellschaftliche Stigmatisierung und die Gefahr von Diskriminierung oder Gewalt gehören zum Alltag. Die COVID-19- Pandemie hat diese Herausforderungen drastisch verschärft. In New York City - einem weltweit bedeutenden Zentrum für Straßenmusik - führten die Schließung öffentlicher Räume und das Aussetzen von Live-Auftritten zu einem plötzlichen Verlust von Einkommensquellen und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Im Fokus dieser Studie standen Musiker:innen des Music Under New York (MUNY)-Programms, das 1985 von der Metropolitan Transportation Authority (MTA) gegründet wurde. Das Programm bietet ausgewählten Künstler:innen legale und anerkannte Auftrittsmöglichkeiten im U-Bahn-System der Stadt. Mit der Aussetzung des Programms im März 2020 verloren die Musiker:innen nicht nur ihre wirtschaftliche Grundlage, sondern auch zentrale Räume für kreative Entfaltung und öffentliche Präsenz. Anhand narrativ-biografischer Interviews und teilnehmender Beobachtungen untersuchte die Studie, wie die Pandemie die Arbeitsbedingungen, Selbstkonzepte und das Wohlbefinden der MUNY-Künstler:innen beeinflusste. Die Ergebnisse zeigen: Der Wegfall öffentlicher Auftritte führte bei vielen zu erheblichem psychischem Stress, sozialer Isolation und bei manchen zu Identitätskrisen - insbesondere bei jenen Künstler:innen, deren Selbstverständnis stark mit ihrer Rolle als Straßenmusiker:in verbunden war oder die finanziell von Straßenmusik abhängig waren. Die fehlende soziale Absicherung und die empfundene gesellschaftliche Abwertung ihrer künstlerischen Arbeit verschärften diese Belastungen zusätzlich. Gleichzeitig offenbarte die Studie Resilienz innerhalb der Künstler:innengemeinschaft. Einige Performer:innen nutzten digitale Plattformen, erschlossen neue Einkommensquellen, entwickelten innovative Aufführungsformate und definierten ihre künstlerischen Selbstkonzepte neu. Die Digitalisierung eröffnete zwar neue Möglichkeiten von Sichtbarkeit und ökonomischer Selbstvermarktung, trug jedoch zugleich zur Reproduktion und Verschärfung sozialer Ungleichheiten bei - insbesondere durch Prozesse digitaler Exklusion, die häufig älteren Musiker:innen das notwendige technologische Kapital abverlangte und ihre Teilhabe an einer zunehmend technologisierten Musikkultur im urbanen Raum erschwerten. Die Pandemie verdeutlichte die zentrale Bedeutung öffentlicher Auftrittsorte - nicht nur für das finanzielle Überleben von Straßenmusiker:innen, sondern auch für die Aufrechterhaltung ihrer Selbstkonzepte als Künstler:innen und ihr psychisches Wohlbefinden. Zudem wurden strukturelle Schwächen der Unterstützungssysteme für freiberufliche Kulturschaffende sichtbar, insbesondere in Bezug auf die psychosozialen Folgen des Verlustes von Arbeitsmöglichkeiten und öffentlicher Sichtbarkeit. Die Studie zeigt, dass umfassende strukturelle Unterstützung notwendig ist, um die Aufrechterhaltung von Straßenmusik insbesondere in Krisenzeiten zu sichern. Programme wie MUNY sollten über die reine Bereitstellung von Auftrittsorten hinausgehen und psychosoziale Unterstützung sowie Ressourcen zur Förderung von Resilienz und langfristiger Nachhaltigkeit innerhalb urbaner Musikkulturen anbieten.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Music Under New York. The impact of the COVID-19 pandemic on selfconcepts and wellbeing of buskers in the MUNY program. AMS | SEM | SMT 2022 Joint Annual Meeting. New Orleans (USA), 11/2022
Melanie Ptatscheck
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Career Booster North America: Interviews with German researchers in the USA and Canada. Deutsche Forschungsgemeinschaft
Ptatscheck, M. & Stefan Altevogt
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Guest Lecture Series. Straßenmusik, Wohlbefinden und der Wert von Musik in Zeiten der (Post- )Pandemie Musicology Department, University of Vienna (Austria), 11/2023
Melanie Ptatscheck
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Seminar “Ethnographic Fieldwork (Methoden ethnographischer Feldforschung). “The way you make me feel. Chancen und Herausforderungen ethnographischer Feldforschung“ Leuphana University Lüneburg (Germany), 07/2023
Melanie Ptatscheck
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Society for Ethnomusicology (SEM) 2023 Annual Meeting. ‘Everything will be okay!’ – Busking, well-being, and the value of music in times of pandemic” Ottawa (Canada), 10/2023
Melanie Ptatscheck
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The impact of the COVID-19 pandemic on the well-being of buskers in the New York underground. XXII Biennial IASPM International Conference “Popular Music in Crisis”. Minneapolis, Minnesota (USA), 06/2023
Melanie Ptatscheck
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Guest lecture “Einführung Musikethnographie”. “Welcome to the Hunger Game!” Lebensrealitäten von Straßenmusiker*innen in New York City Leuphana University Lüneburg (Germany), 05/2024
Melanie Ptatscheck
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Guest lecture, seminar “Popular Music Studies. Introductory Lecture”. “Everything will be OK!” – Busking, wellbeing, and the value of music in the (post-)pandemic world Leuphana University Lüneburg (Germany), 05/2024
Melanie Ptatscheck
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Research Round Table Jazz and Popular Music. “Everything will be OK!”: Straßenmusik, Wohlbefinden und der Wert von Musik in Zeiten der (Post-) Pandemie University of Music and Performing Arts Graz (Austria), 03/2024
Melanie Ptatscheck
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Social functions of street music in times of the (post-)pandemic. International Association for the Study of Popular Music (IASPM-US) “‘You know how we do’: Popular Music and Communality”. Philadelphia (USA), 04/2024
Melanie Ptatscheck
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Straßenmusik in New York feat. Melanie Ptatscheck. Musikgespräch. Der musikwissenschaftliche Podcast
Ptatscheck, M. with Maria Behrendt & Anna Schors
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“Everything Will Be OK”: Busking, Well-Being, and the Value of Music in Times of Pandemic. MUSICultures, 51, 35-55.
Ptatscheck, Melanie
