Wirtschaftliche Betroffenheit durch die COVID-19 Pandemie: Objektive Veränderungen und subjektive Bewertung im Vergleich zu Referenzgruppen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die COVID-19 Pandemie und die als Reaktion ergriffenen Maßnahmen haben zu einer starken Wirtschaftskrise und zu deutlichen Veränderungen der Lebensbedingungen geführt. Das Projekt fokussierte auf die wirtschaftliche Betroffenheit durch die Pandemie in Form von Erwerbsveränderungen und Einkommensveränderungen. Dabei wurden neben objektiven Veränderungen insbesondere die subjektive Bewertung dieser Veränderungen unter Berücksichtigung von Referenzgruppen untersucht. Das Projekt ging dabei von der allgemeinen These aus, dass der subjektive Blick auf die Folgen der Pandemie, also die Frage von Wahrnehmungen und Bewertungen, neben objektiv erfassbaren Faktoren für die Beurteilung der gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie bedeutsam sind. Insbesondere wurde die Frage untersucht, welche Rolle Vergleiche mit unterschiedlichen Referenzgruppen (Personen im persönlichen Umfeld, in Deutschland oder in der EU) für die Wahrnehmung und Bewertung der wirtschaftlichen Betroffenheit spielen. Die zentrale Datengrundlage des Projekts bot eine von März 2020 bis August 2022 in vier Wellen durchgeführte Panelerhebung, die bereits in einem früheren Projekt begonnen und in dem aktuellen Projekt erweitert wurde (SOECBIAS/COVREF Daten). Ergänzend wurden u.a. Arbeitsmarktdaten auf Kreisebene und zur COVID-19 Inzidenz und Daten des Eurobarometer verwendet. Erwartungsgemäß zeigt sich ein Zusammenhang zwischen objektiven Erwerbs- und Einkommensveränderungen und der subjektiven wirtschaftlichen Betroffenheit. Ein zentrales Ergebnis ist, dass Personen sich selbst als durchschnittlich weniger stark betroffen einschätzen als andere. Dies gilt für das persönliche Umfeld, Menschen in Deutschland und Menschen in der EU. Weiter entfernte Gruppen werden dabei als stärker betroffen eingeschätzt. Mit Blick auf Unterschiede nach sozio-ökonomischen Statusgruppen ist festzustellen, dass niedrige Statusgruppen wie ihre eigene Betroffenheit auch die Betroffenheit von anderen als höher einschätzen. Betrachtet wurde auch, wie sich diese Einschätzungen auf die Lebenszufriedenheit auswirken. Wie erwartet zeigt sich, dass Personen, die sich als mehr betroffen als andere einschätzen, eine geringere Lebenszufriedenheit aufweisen. Allerdings scheinen hierbei Vergleiche, wie es nach dem Konzept der relativen Deprivation anzunehmen wäre, nicht die zentrale Rolle zu spielen. Die Ergebnisse werden von Personen getrieben, die sich selbst als sehr stark betroffen wahrnehmen und deswegen als stärker betroffen als andere. Über den Beobachtungszeitraum von 2020 bis 2022 bleiben grundlegende Muster relativ stabil, auch wenn gewisse Angleichungen zu beobachten sind. Es gibt aber Anzeichen, dass die in Verbindung mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ausgelösten Krisen einen stärkeren Einfluss auf subjektive wirtschaftliche Betroffenheit und wirtschaftliche Unsicherheit haben als die COVID-19 Pandemie. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass die Kumulation der Krisen hier ihre Auswirkungen zeigt.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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SOECBIAS Data Set. GESIS, Köln. Datenfile Version 1.0.0
Beblo, Miriam, Bublitz, Elisabeth, Jäger, Julian, Lohmann, Henning & Wang, Hequn
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SOECBIAS/COVREF Data Set: Income, (Mis-)Perceptions, Redistributive Preferences and Economic Affectedness in times of the COVID-19 Pandemic, Method Report, Hamburg.
Lohmann, Henning; Wang, Hequn & Eggers, Nico
