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Weibliche Handlungsfähigkeit und Fertilität in Ägypten

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2022 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 504049463
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen Empowerment von Frauen und Fertilität in Ägypten und der MENA-Region. Ein zentrales Ergebnis ist der Einfluss des Empowerments auf Fertilitätsergebnisse und Geburtenübergänge. Studie 1.1 zeigt, dass die Handlungskompetenz von Frauen wichtig ist, um ungewollte Geburten zu verhindern. Daraus ergeben sich zwei wichtige Schlussfolgerungen: Erstens ist die Entscheidungsfreiheit über die eigene Gesundheitsversorgung essentiell, damit Frauen nicht mehr Kinder bekommen, als gewünscht. Zweitens spielt der Fertilitätswunsch der Männer eine Schlüsselrolle. Die Handlungskompetenz der Frau kann ungewollte Geburten nicht verhindern, wenn der Mann mehr Kinder möchte. Reproduktive Fertilität in der MENA-Region erfordert einen Rückgang des Fertilitätswunsches bei Männern und Frauen. Studie 1.2 untersucht den kausalen Effekt weiblicher Handlungskompetenz auf das Fertilitätsverhalten und zeigt, dass höhere Handlungskompetenz in Ägypten nicht zu einem Fertilitätsrückgang führt. Dieses Ergebnis widerspricht der theoretischen Annahme eines negativen Effekts. Die Diskrepanz könnte auf die theoretische Limitierung bisheriger, westlichzentrierter Forschung und methodische Mängel, basierend auf Querschnittsdatenanalysen sowie unplausiblen Kausalitätsannahmen, zurückzuführen sein. Studie 2.1 und Studie 2.2 stützen die Hypothese, dass der soziale Status von Frauen im patriarchalischen Kontext Ägyptens vom Status der Mutterschaft abhängt, was auf einen positiven Einfluss der Mutterschaft auf die Handlungsfähigkeit von Frauen schließen lässt. Dieser Effekt zeigt sich insbesondere bei Frauen, die aufgrund ihres niedrigen Bildungsniveaus wenig Alternativen zur Mutterrolle haben und in ländlichen Gebieten leben, die durch stärker patriarchalisch geprägte Familien- und Gesellschaftsstrukturen gekennzeichnet sind. Das Projekt zeigt länderspezifische Unterschiede im Zusammenhang zwischen Handlungsfähigkeit und Fertilität, daher sollten kulturelle und institutionelle Kontexte berücksichtigt werden. Es gilt, die Effekte intrinsischer Handlungsfähigkeit (z.B. Geschlechternormen) von denen instrumenteller Handlungsfähigkeit (z.B. Mobilität, Finanzen) zu trennen. Die Ergebnisse bieten einen Ausgangspunkt, um die Mechanismen verschiedener Handlungsdimensionen und Kontextvariationen genauer zu untersuchen. Zukünftige Forschung sollte die weibliche Selbstbestimmung in Ägyptens patriarchalischen Gesellschaft umfassender untersuchen. Zentrale Fragen sind die subjektive Bewertung der Handlungsfähigkeit, sowie die Strategien zur Erweiterung dieser innerhalb der Ehe. Um den Kausalzusammenhang zwischen Handlungsfähigkeit und Fertilität zu analysieren. werden Längsschnittdaten benötigt, die Auskunft geben wie Handlungsfähigkeit Frauen bei der Umsetzung ihrer Fertilitätswünsche unterstützt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Does women's agency matter in the formation and realization of fertility desires? An empirical investigation in Egypt and Jordan. BiB Working Paper 7/2023. Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung.
    Friedrich, C.
  • Women's agency and childbirth: The effect of transition to motherhood and subsequent births on women's agency in Egypt. Journal of Family Research, 35, 400-420.
    Friedrich, Carmen
  • Women’s agency and childbirth: The effect of transition to motherhood and subsequent births on women’s agency in Egypt. Presented at Population Association of America 2023 Annual Meeting, New Orleans, USA (14.04.2023)
    Friedrich, C.
  • How women’s agency affects fertility: New evidence based on Egyptian panel data. Presented at European Population Conference, Edinburgh, UK (15.06.2024).
    Hsu, C.-H., Friedrich, C. & Engelhardt, H.
 
 

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