Detailseite
Projekt Druckansicht

Nachfragezyklen, Verkehrsströme und die Regulierung von Kraftstoffmärkten

Antragsteller Dr. Simon Martin
Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung Förderung von 2022 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 504715884
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Kraftstoffpreise haben direkte Auswirkungen auf viele Haushalte, die Verteilungsnetzwerke von Unternehmen und somit auf die gesamte Wirtschaft. Wettbewerbsbehörden haben in den letzten zehn Jahren in mehreren Ländern Bedenken hinsichtlich der Funktionsfähigkeit dieser Branche geäußert. Angesichts hoher und steigender Ölpreise werden mögliche politische Interventionen häufig diskutiert; von der Öffentlichkeit, Medien, Politikern und Wissenschaftlern gleichermaßen. Darüber hinaus wird die Kraftstoffbranche aufgrund eines allgemeinen Wandels in der Klimapolitik, der geopolitischen Situation vieler ölproduzierender Länder und der schnell aufkommenden Elektrofahrzeuge in naher Zukunft erhebliche strukturelle Veränderungen durchlaufen. Das Projekt lieferte zwei Hauptergebnisse, basierend auf Daten aus dem deutschen Kraftstoffmarkt. Die ersten Ergebnisse betreffen die Auswirkungen des Markteintritts. Verbraucher profitieren im Durchschnitt vom Eintritt neuer Anbieter. Wenn jedoch nicht alle Verbraucher gleichermaßen über die Preise im Markt informiert sind, können ihre Vorteile durch den Eintritt heterogen sein. Wir untersuchten die Auswirkungen des Eintritts auf die Preisverteilung im deutschen Kraftstoffmarkt. Durch die Nutzung mehrerer hundert Markteintritte über einen Zeitraum von fünf Jahren in einem Event-Study-Design fanden wir heraus, dass die Preise am oberen Ende der Verteilung moderat oder gar nicht verändert werden, aber die Preise am unteren Ende um bis zu 13 % der Bruttomargen der Tankstellen sinken. Der Wert der Information (Value of Information, VOI) steigt um 29%, was auf größere Einsparungen für Verbraucher mit einfachem Zugang zu Informationen hinweist. Das zweite Hauptergebnis betrifft die Besteuerung in Märkten mit unvollständiger Information. Verbrauchssteuern sind eine der sichtbarsten Komponenten politischer Eingriffe, mit einem durchschnittlichen Standard-Mehrwertsteuersatz von 19,2% in den OECD-Ländern. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Einnahmequelle für die Regierung und generieren Steuereinnahmen in Höhe circa 10% des BIP. Neben der Umverteilung von Ressourcen zwischen Verbrauchern, Unternehmen und der Regierung dienen Steuern auch einer umverteilenden Rolle zwischen verschiedenen Verbraucher- und Haushaltsgruppen, z.B. durch einen progressiven Einkommenssteuertarif. Wir untersuchten die umverteilende Rolle der Besteuerung in Märkten mit unvollständiger Verbraucherinformation, indem wir empirisch die Auswirkungen von Steuern im deutschen Kraftstoffmarkt analysierten. Wir stellten fest, dass Preisänderungen an informierte Verbraucher effektiv schneller weitergegeben werden, mit wichtigen verteilungspolitischen Implikationen für Regulierungs- und Steuerpolitik. Eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19% auf 16% senkt die Transaktionspreise im Durchschnitt um 1,9%, kommt jedoch überproportional Verbrauchern in einkommensstarken Märkten zugute. Eine äquivalente Reduzierung der Verbrauchssteuer hätte den Verbrauchern mehr genützt als eine Mehrwertsteuersenkung. Abschließend bewerteten wir auch die Verteilungseffekte von CO2-Steuern. In all diesen Dimensionen fanden wir heraus, dass die Rolle der Verkehrsströme gering ist. Die beschriebenen Muster sind über verschiedene Tageszeiten hinweg sehr robust.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Indirect taxation in consumer search markets: The case of retail fuel (joint work with Kai Fischer and Philipp Schmidt-Dengler), CEPR Discussion Paper No. 19095
    Martin, Simon
  • The Heterogeneous Effects of Entry on Prices (joint work with Kai Fischer and Philipp Schmidt-Dengler), CESifo Working Paper No. 10566
    Martin, Simon
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung