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Kleine Souveränität: Lateinamerikanische Erzählliteratur über Plantagen
Antragsteller
Professor Dr. Jan-Henrik Witthaus
Fachliche Zuordnung
Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 505161841
Das Projekt schließt an die Erforschung ‚kleiner Souveränität‘ in der lateinamerikanischen Literatur an. Nach zwei bereits untersuchten Genres (Erzähltexte über organisierte Drogenkriminalität sowie über Bürokratie) wird die Präsenz dieser Thematik nun in einem dritten Bereich in den Blick genommen: in Romanen über Plantagen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart publiziert wurden. Eine Analyse soll zeigen, dass die in diesen sozialkritischen Texten dargestellten Machtverhältnisse auch eine Reflexion über personale Formen der Herrschaftsausübung beinhalten. Die Arbeitshypothese besagt, dass diese Herrschaftsformen einen Bereich lokaler Dynamiken ausbilden, die fernab von staatlich organisierter Regulierung auf die Disziplinierung und/oder Entrechtung der dort arbeitenden Menschen abzielen. Zur Durchsetzung von Maßnahmen kann allerdings an der Seite von Formen parastaatlicher Gewalt sehr wohl auf staatliche Gewaltressourcen zurückgegriffen werden. Über diesen Fokus verspricht die lateinamerikanische Plantagenliteratur den Zugang zu einem Phänomen, das sich analog zum Büro und zur kriminellen Organisation als ein dynamischer, nicht immer stabiler Herrschaftszusammenhang verdichtet. Hier sind abgestufte Hierarchieformen zu identifizieren, die dominante Subjekte hervorbringen, welche ihrerseits in Wechselwirkung mit verschiedenen äußeren und inneren Faktoren stehen, oftmals auch auf international agierende Wirtschaftsakteure verweisen. Die Resultate der Analysen literarischer Texte zusammen mit den Ergebnissen der ersten Projektphase münden ein in eine Darstellung männlich geprägter Patronagestrukturen, die im sozialen Fokus lateinamerikanischer Literatur ein wiederkehrendes Phänomen darstellen und Hinweise auf politische Kulturen geben. Ein solcher Befund verspricht methodische Perspektiven hinsichtlich der kulturreflektorischen Eigenschaften von Erzählliteratur im Allgemeinen sowie der Relevanz ökofeministischer Theoriebildung im Besonderen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
