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Bindung und Entwicklungserrungenschaften: Die Rolle epistemischen Vertrauens als Mediator (NEVe 2.0)
Antragsteller
Dr. Alessandro Talia
Fachliche Zuordnung
Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 506141746
Zahlreiche Studien belegen, dass sichere Bindung in der frühen Kindheit eine Vielzahl positiver Entwicklungsverläufe vorhersagt, darunter bessere kognitive und sprachliche Fähigkeiten, höhere soziale Kompetenz und weniger emotionale sowie Verhaltensprobleme. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurde unsere DFG-geförderte NEVe-Studie ins Leben gerufen, um frühe Prädiktoren sicherer Bindung aus einer neuartigen Perspektive zu untersuchen. Während traditionelle Theorien die elterliche Sensitivität betonen, haben wir geprüft, ob sichere Bindung auch durch die Vertrauenswürdigkeit der Bezugsperson als Informationsquelle beeinflusst wird. Zu diesem Zweck rekrutierte wir im Rahmen der NEVe-Studie eine Kohorte von 196 Müttern und ihren 12 bis 15 Monate alten Säuglingen. Erste Ergebnisse stützen unsere Hypothese und werfen eine weiterführende Frage auf: Warum führt sichere Bindung im Säuglingsalter zu so breit gefächerten langfristigen Vorteilen? Unsere bisherigen Befunde deuten darauf hin, dass epistemisches Vertrauen – definiert als das Vertrauen eines Kindes in die Relevanz der von anderen bereitgestellten Informationen – ein zentraler Wirkmechanismus sein könnte. Wenn sichere Bindung aus frühen Erfahrungen mit vertrauenswürdigen Kommunikator:innen hervorgeht, entwickeln sicher gebundene Kinder möglicherweise ein höheres Maß an epistemischem Vertrauen, was wiederum ihre Fähigkeit stärkt, von Bezugspersonen aber auch anderen Personen über verschiedene Bereiche hinweg zu lernen. Trotz ihrer theoretischen Bedeutung wurde die Rolle epistemischen Vertrauens in der kindlichen Entwicklung bislang kaum empirisch untersucht. Um diese Forschungslücke zu schließen, führen wir eine Folgestudie durch, sobald die Kinder der ursprünglichen NEVe-Kohorte vier Jahre alt sind. Dabei wird jedes Kind sowohl einzeln als auch gemeinsam mit beiden Elternteilen untersucht. Erhoben werden (1) das epistemische Vertrauen gegenüber beiden Elternteilen mittels eines Laborparadigmas, (2) die autobiografische Kompetenz im Austausch mit jedem Elternteil, (3) die Bindungsrepräsentationen des Kindes sowie (4) Entwicklungsmerkmale wie Sprachfähigkeit, soziale Kompetenz und emotionales Wohlbefinden. Aufbauend auf den bereits im Rahmen von NEVe gesammelten Daten prüfen wir epistemisches Vertrauen als möglichen mediierenden Faktor zwischen früher Bindung und späterer Entwicklung – mit dem Ziel, unser Verständnis früher Beziehungsmechanismen zu vertiefen, die eine gesunde Entwicklung fördern.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Mitverantwortlich(e)
Professorin Dr. Svenja Taubner
