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Von der Ruine zum Historic Monument - Der Prozess der Denkmalwerdung am Beispiel von Zisterzienserklöstern in England
Antragsteller
Privatdozent Dr. Jens Rüffer
Fachliche Zuordnung
Kunstgeschichte
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 509793488
Nach der Mitte des 19. Jhs. wandelte sich die Wahrnehmung der Abteiruinen vom ästhetischen Sinnbild hin zum historischen Monument, vor allem bei Antiquaries und Architekten. Die Klosterarchitektur wurde nun im Kontext der zisterziensischen Consuetudines diskutiert, was zur Frage nach dem Arrangement der Klausurgebäude führte, die Matthew Bloxam 1849 erstmals stellte und Edmund Sharpe 1871 mit der These vom „Model Plan“ beantwortete. Thomas Micklethwaite korrigierte 1882 Sharpes Idealplan durch den Rückgriff auf die Ecclesiastica Officia. Die zweite Innovation bestand in der monografischen Bearbeitung der Zisterzienserklöster im Sinne einer Baugeschichte durch Gordon M. Hills (1871) und Arthur Reeve (1892), wobei Reeves Analyse auf umfassenden Bauaufnahmen beruhte. Das verformungsgerechte Aufmaß bildete somit erstmals die Grundlage für die Interpretation der Baugeschichte. Hope ergänzte diesen Ansatz durch farbige Bauphasenpläne in seinen Arbeiten zu Fountains, Kirkstall, und Jervaulx Abbey. Mit Blick auf die visuelle Dokumentation wurden die architekturhistorischen Arbeiten gegen Ende des 19. Jhs. schrittweise durch fotografische Aufnahmen ergänzt. Architekturgeschichtlich waren Sharpe und Micklethwaite die ersten, die nach ordenspezifischen Architekturmerkmalen fragten. Es war jedoch John Bilson, der als erster die frühe zisterziensische Kirchenarchitektur Englands in den europäischen Kontext einzuordnete. Archivalien zur einer Publikation zu Kirkstall Abbey geben einen Einblick in die Auseinandersetzungen über die Qualität von Publikationsstandards. Es gab Diskussionen zu Fachbegriffen und deren Schreibweisen, über die Vermeidung von Redundanzen, über die Form der Fußnoten aber auch über die Qualität der Abbildungen. Dabei handelte es sich nicht nur um die Maßstabstreue wie bei Bilsons Grundrissen, sondern auch um die Qualität der Fotografien, da der Kamerastandpunkt nicht immer frei gewählt werden konnte, die Qualität des Lichtes eine Aufnahme nicht mehr zuließ, aber auch das Problem der Tiefenschärfe bei längeren Belichtungszeiten noch nicht gelöst war (Halo-Effekt). Gegen Ende des 19. Jhs. sind in Byland die Westfassade und in Kirkstall die gesamte Klosterkirche baulich gesichert worden. Beide Fälle werden anhand von Archivalien und Zeitungsartikeln nachvollzogen, wobei die Reparaturarbeiten in Kirkstall unter der Aufsicht der Stadtverwaltung von Leeds und dem Architekten Micklethwaite vergleichsweise gut dokumentiert sind und einen hohen denkmalpflegerischen Standard aufweisen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
