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Leipzig, eine Stadt im Fluss - Urban-fluviale Symbiose in einer Langzeitperspektive

Fachliche Zuordnung Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Frühneuzeitliche Geschichte
Mittelalterliche Geschichte
Physische Geographie
Förderung Förderung seit 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 509898957
 
In der zweiten Förderperiode verknüpft das Projekt „Leipzig – eine Stadt im Fluss“ die Analyse der urban-fluvialen Symbiose mit Untersuchungen zu Stadt-Umland-Beziehungen. Nachdem in der ersten Förderphase die städtischen und unmittelbar angrenzenden suburbanen Räume Leipzigs untersucht wurden, weitet sich der Fokus nun, um das nähere Umland sowie das fluviale Hinterland der Stadt einzubeziehen. Wir begreifen unser Untersuchungsgebiet als quasi konzentrisch gegliedert in (1) die innerstädtischen Räume (intra muros) und die Vorstädte (extra muros, das sogenannte „Weichbild“), (2) das Amt Leipzig und benachbarte Ämter (insbesondere die Merseburger Territorien, die bis in die westliche Aue der Weißen Elster unmittelbar vor den Toren der Stadt vorstießen) sowie (3) das fluviale Hinterland, das die unteren Einzugsgebiete von Weißer Elster, Pleiße und Parthe umfasst. Daten aus dem urbanen und suburbanen Leipzig wurden bereits während der ersten Förderphase systematisch erhoben (z. B. Mühlen, Gewässer, Auensedimente). In der zweiten Förderphase wird nun das Leipziger Umland durch geowissenschaftliche und historische Forschung systematisch erforscht, während das fluviale Hinterland punktuell im Hinblick auf Verflechtungen und Austausch berücksichtigt wird (z.B. das Wehr in Crossen a.d.Elster, an dem sich wiederholt Konflikte hinsichtlich der Wassernutzung entzündeten). Die Thematisierung der Stadt-Umland-Beziehungen als zentrales Forschungsproblem der Stadtgeschichte ermöglicht es uns, unsere Forschungen zur fluvialen Anthroposphäre und zur urban-fluvialen Symbiose konzeptionell und empirisch zu erweitern. Wir gehen von der Hypothese aus, dass Auen und Fließgewässer inner- wie außerstädtische Räume sowohl physisch als auch kulturell konstituierten. Sie definierten und verbanden Städte, Vorstädte und Hinterland. Als zentrale Schauplätze der Mensch-Natur-Beziehungen waren sie grundlegend für die Stoffflüsse des urbanen Metabolismus, etwa bei der Versorgung mit Frischwasser und Holz, Nahrung und Futter oder der Verbreitung von Schadstoffen und Krankheitserregern. Die Ausweitung auf Stadt-Umland-Beziehungen erlaubt uns, den Begriff des „fluvio-sozialen Metabolismus“ – ein jüngst entwickeltes Konzept zur Operationalisierung des socio-natural site-Ansatzes der Wiener Schule der Ökologie – vor dem Hintergrund aktueller stadt- und umwelthistorischer Forschung zu diskutieren. In diesem Zusammenhang berücksichtigen wir auch trans-epochale, raumbezogene Ansätze der Public-Health- und Medizingeschichte, die unter dem Schlagwort „Healthscapes/Healthscaping“ erst jüngst eine Stadt-Umland-Perspektive integriert haben. Auf der Grundlage eines interdisziplinären Ansatzes, der die Archive von Kultur und Natur gleichermaßen nutzt, haben wir drei ergiebige Forschungsfelder identifiziert: (1) fluviale Healthscapes, (2) die fluviale Koexistenz von Menschen, Pflanzen und Tieren sowie (3) Hinterland und Hydrosphäre.
DFG-Verfahren Schwerpunktprogramme
Mitverantwortlich Professor Dr. Matthias Hardt
 
 

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