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Die Flusslandschaft der Weschnitz und ihre Wechselwirkung mit dem Kloster Lorsch: Flusslandschaft Lorsch Weschnitz (FLoW)

Fachliche Zuordnung Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Frühneuzeitliche Geschichte
Mittelalterliche Geschichte
Physische Geographie
Förderung Förderung seit 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 509913470
 
Das FLoW-Projekt soll klären, wann und warum lokale und regionale Akteure an und um das heutige UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch begannen, die Auenlandschaft der Weschnitz und ihre Dynamik zu kontrollieren, und wie die Regulierung im Laufe der Zeit intensiviert und die heutige Flusslandschaft geschaffen wurde. Die Weschnitz ist ein Zufluss des Rheins im Oberrheingraben (Hessen, Deutschland). Ihre Aue bietet ein exzellentes Feldlabor, um sozio-ökonomische und natürliche Prozesse und ihre Wechselwirkungen über Jahrhunderte hinweg zu untersuchen. Im Rahmen des FLoW-Projekts arbeiten Forschende unterschiedlicher Disziplinen vor Ort wie im Labor eng zusammen und nutzen moderne und innovative Methoden, um historische Dokumente, Karten, Befunde bzw. Funde und Sedimente auszuwerten. Dabei gewährleistet eine gemeinsame GIS-Plattform die Grundlage für die Synthese der Ergebnisse auf einer hochgradig interdisziplinären Ebene. Forschungsdesign und Arbeitsprogramm von FLoW spiegeln die systematische Kombination und Integration historischer, (geo-)archäologischer, geoökologischer und geomorphologischer Ansätze wider. Übergeordnetes Ziel ist die bestmögliche raum-zeitliche Rekonstruktion vergangener Auenlandschaften für verschiedene Zeitabschnitte und der schrittweisen Manipulation und Intensivierung ihrer Nutzung durch verschiedene Akteursgruppen, insbesondere das Reichskloster Lorsch, die Bistümer Mainz und Worms sowie weltliche Herrscher und Städte. Unser Ansatz berücksichtigt Fischerei- und Wasserbau-Aspekte sowie ihre Abhängigkeiten und Auswirkungen in Bezug auf die heutige Flusslandschaft. Die Hypothesen und das Arbeitsprogramm von FLoW zielen auch darauf ab, die Verschmutzung entlang der Weschnitz durch Landwirtschaft, Handwerk, Industrie und Mühlenbetrieb zu klären und dabei das Konzept des „fluvio-sozialen Metabolismus” zu testen. Weitere Hypothesen befassen sich mit der Schiffbarkeit der Weschnitz und der Frage, welche Wasserbaumaßnahmen zur Regulierung von Abfluss und Wasserstand ergriffen wurden. Das Kloster Lorsch und die Weschnitz-Fluvioscape sind ein Beispiel für die Gestaltung und Kontrolle vorindustrieller Auen durch den Menschen von einer feuchten peripheren Aue zu einem Zentrum lebendiger sozio-ökologischer Dynamik. FLoW ist damit stark mit der übergreifenden Fragestellung des SPP 2361 verflochten. Das Untersuchungsgebiet stellt eine Schlüsselregion des kulturellen und natürlichen Erbes in Mitteleuropa dar und spiegelt die Intensivierung der anthropogenen Einflüsse seit dem frühen Mittelalter wider. Auf überregionaler Ebene zielt FLoW darauf ab, Vergleiche mit der Geschichte und Archäologie anderer frühmittelalterlicher klösterlicher Infrastrukturen an Wasserläufen in West- und Mitteleuropa herzustellen, um den Einfluss der Klöster auf Landschaftsveränderungen unter vergleichbaren wie deutlich unterschiedlichen natürlichen Bedingungen, spezifischer Infrastruktur und religiöser Politik herauszuarbeiten, die bis heute nachwirken.
DFG-Verfahren Schwerpunktprogramme
 
 

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