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Sichtbarmachung historischer Mehrsprachigkeit in regionalen Alltagssprachen 2.0: Das Nordfriesische Element

Antragstellerin Samantha Litty, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Angewandte Sprachwissenschaften, Computerlinguistik
Förderung Förderung seit 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 513246485
 
Durch eine umfassende und systematische Darstellung der nordfriesischen Sprache und ihrer historisch im Kreis Nordfriesland verwendeten Varietäten schließt ViNoRHM 2.0 eine Lücke in den Feldern der historischen Soziolinguistik und der Minderheitensprachenforschung. Nordfriesland ist sprachlich von einer großen Dialektvielfalt geprägt und ist in einer Region eingebettet, die für ihre Fünfsprachigkeit (Hochdeutsch, Standarddänisch, sowie Varietäten des Nordfriesischen, Niederdeutschen und Südjütischen) bekannt ist. Das Projekt baut auf die in ViNoRHM 1.0 begonnene Arbeit auf. Dort wurden die Narrative um mehrsprachige Gesellschaften und alltäglichen Sprachgebrauch neu gedeutet, indem ein neuer Ansatz für mehrsprachige regionale Sprachgeschichte Anwendung fand, der politische und soziale Geschichte verbindet und durch primäre linguistische Daten untermauert wird. Um das Verständnis der zwei-/mehrsprachigen Sprachgeschichte der Region zu vertiefen und die Komplexität des alltäglichen Sprachgebrauchs im Kontext einer Minderheitensprache hervorzuheben, untersucht ViNoRHM 2.0 Nordfriesisch (NF) im Schriftgut „von unten“ oder von Alltagsschreiber:innen in informellen Kontexten und ergänzt diese durch Daten erfahrener, bekannter oder einflussreicher Autoren, die NF-Texte in formelleren Kontexten verfassten, z. B. für Heimatblätter oder Zeitschriften mit „lokalem oder regionalem“ Schwerpunkt. ViNoRHM 2.0 greift zunächst auf die in ViNoRHM 1.0 gesammelten Daten zurück, um NF-Schriften im Vergleich zum Schrifttum der benachbarten Sprachen im 19. Jahrhundert zu kontextualisieren und verfolgt dann Entwicklungs- und Standardisierungsprozesse, die NF im Kontakt mit einer Mehrheitssprache (und mehreren zusätzlichen kleinen oder regionalen Varietäten) beeinflussen. Durch den Fokus auf nordfriesische Schriften von Alltagsschreiber:innen des 19. Jahrhunderts – vor kodifizierten Normen oder Standardisierungsversuchen – und deren Verknüpfung mit nordfriesischen Schriften und lokalen/regionalen Zeitschriften vom 20. Jahrhundert bis heute werden individuelle und gemeinschaftliche Sprachpraktiken auf eine bisher unbekannte Weise herausgearbeitet. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle von Schreiberinnen in dieser historischen und sprachlichen Konstellation, um ihren Einfluss auf die Kultur- und Sprachgeschichte der Region sichtbar zu machen, da Frauen – neben anderen – für gewöhnlich in der Sprach- (und Sozial- und Politik-)Geschichte ausgeschlossen oder unsichtbar gemacht wurden. ViNoRHM 2.0 vernetzt zudem die akademische Forschung mit lokalen und regionalen Institutionen, deren Hauptzweck Schutz und Förderung der nordfriesischen Sprache und Kultur ist. Dadurch werden nicht nur wissenschaftliche Aktivitäten unterstützt, sondern auch das sprachliche und kulturelle Erbe der Region und ihrer Menschen respektiert und gefördert.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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