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Eine Prosopographie-Studie über an den Reform- und Modernisierungsprozessen des Osmanischen Reiches beteiligte deutsche Experten zwischen 1789-1918

Antragsteller Dr. Tunca Ozgisi
Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Islamwissenschaft, Arabistik, Semitistik
Förderung Förderung von 2022 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 513546130
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Projekt analysiert aus einer historisch-soziologischen Perspektive die Beiträge deutscher Experten zur militärischen und administrativen Modernisierung des Osmanischen Reiches im Zeitraum von 1789 bis 1918. Ziel ist es zu verdeutlichen, dass die osmanisch-deutschen Beziehungen nicht nur auf diplomatische oder militärische Kooperationen beschränkt waren, sondern vielmehr einen vielschichtigen Interaktionsraum darstellten, der sich durch individuelle Expertise auf institutionelle Reformen und strukturelle Transformationen erstreckte. Die Untersuchung basiert auf einem dreistufigen methodischen Rahmen. In der ersten Phase wurden umfassende biografische Daten deutscher Experten gesammelt, die in verschiedenen Bereichen im Osmanischen Reich tätig waren – sowohl im militärischen als auch im zivilen Sektor. Zu den genutzten Quellen zählten Archivmaterialien, Ego-Dokumente (z. B. Briefe, Tagebücher), Biografien, Zeitungsartikel, Reiseberichte, Memoiren sowie wissenschaftliche Sekundärliteratur. Ziel war es, die beruflichen Profile der Experten sowie deren institutionelle Einbettung und den politischen Kontext ihrer Tätigkeiten zu rekonstruieren. In der zweiten Phase wurde eine prosopografische Datenbank mit 3.125 deutschen Experten erstellt. Diese fungiert als ein strukturiertes „biografisches Wörterbuch“ und erfasst 65 Variablen – darunter Tätigkeitsbereiche, Institutionen, Einsatzorte, Dienstzeiten, akademische Titel, Bildungshintergründe, Migrationsgründe sowie Karriereverläufe nach ihrer Tätigkeit im Osmanischen Reich. In Microsoft Excel wurden insgesamt 74.279 Datensätze eingegeben. Die Datenbank ermöglicht sowohl qualitative als auch quantitative Analysen und bildet eine solide Grundlage zur Erfassung historischer Muster in größerem Maßstab. In der dritten Phase wurden aus dem Datenmaterial Karten, Diagramme und Tabellen erstellt, um räumliche Verteilungen und institutionelle Muster sichtbar zu machen. Diese Visualisierungen wurden thematisch anhand spezifischer Fragestellungen ausgewertet und offenbaren die geografische Reichweite, zeitliche Häufung und funktionale Vielfalt deutscher Aktivitäten. Die räumlichen Auswertungen wurden mithilfe der GIS-Software ArcGIS durchgeführt, wodurch die osmanisch-deutschen Beziehungen in ihrer räumlich-zeitlichen Tiefe wissenschaf tlich fundiert dargestellt werden konnten. Das Projekt geht über konventionelle historiografische Ansätze hinaus, indem es moderne Technologien und interdisziplinäre Methoden einsetzt. Es bietet neue Einblicke in die Reformprozesse der Spätphase des Osmanischen Reiches und stellt eine bedeutende Referenz für Forschungen zur osmanischen Geschichte und zu den deutsch-türkischen Beziehungen im lokalen wie globalen Kontext dar.

 
 

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