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Wertpapiere der Kunst. Authentifizierung als künstlerisches Konzept in Zeiten von Finanzkrisen 1720-2020

Fachliche Zuordnung Kunstgeschichte
Förderung Förderung seit 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 514731806
 
Mit den voranschreitend digitalisierten und globalisierten Informationstechnologien hat der Einsatz von Authentifizierungen nicht nur in der Ökonomie und im Recht, sondern auch in der bildenden Kunst an Beachtung gewonnen. Das Forschungsprojekt untersucht nun erstmalig künstlerisch konzipierte Zertifikate und Verträge, die als Authentifizierungsverfahren seit dem frühen 18. Jahrhundert durch verstärkte kapitalistische und koloniale Handelsbeziehungen für den Status und Wert von Kunstwerken konstitutiv geworden sind. Leitend ist die Annahme, dass gerade Kunstschaffende diese spezifischen Verfahren der Authentifizierung selbst reflektiert und in die Struktur ihrer Werke integriert haben. Im Zentrum des Projekts steht erstens die Frage nach einer Kunstgeschichte von Authentifizierungen in übergreifend sozial- und finanzhistorischen Zusammenhängen und zweitens die Frage nach der Konzipierung der Authentifizierung zwischen Beiwerk und Werk. Es arbeitet also historisch und theoretisch auf, was bislang kunstwissenschaftlich nur marginal und partikular erforscht ist, derzeit aber am Beispiel digitaler Zertifizierungspraktiken von reproduzierten Kunstwerken sogar eine breite Öffentlichkeit erreicht. Die Hypothese lautet, dass Authentifizierungen insbesondere dann als künstlerisch konzipiert hervortreten, wenn sich ein vorherrschendes Wertgefüge im Finanzwesen radikal transformiert. Es gilt zu rekonstruieren, wie diese Authentifizierungen in fünf neuralgischen Zeiträumen zwischen 1720 und 2020 zu „Wertpapieren der Kunst“ werden, die nicht nur auf diese Krisen reagieren, sondern hier auch als Kommentar, Kritik oder gar Korrektiv auftreten. Dies möchte das Projekt anhand von Subskriptionsscheinen und verwandten Druckgrafiken um 1720 in London, von Karikaturen und Trompe-l’œils von Papiergeld in Zeiten der Französischen Revolution, von künstlerisch durchwirkten Anleihen in den Goldenen Zwanziger Jahren, von Authentifizierungen in der New Yorker Conceptual Art sowie von Verträgen und Zertifikaten in gegenwärtigen Installationen nachweisen. Im Hintergrund erscheint somit ein finanzhistorisches Spektrum, das von der geplatzten „South Sea Bubble“, einer frühen Spekulationsblase durch transatlantischen Versklavtenhandel, zu den globalen und zugleich digitalen Märkten der Gegenwart reicht. Das Projekt gliedert sich in zwei Teile, die so verzahnt sind, dass sie jeweils kunsthistorische Konstellationen und kunsttheoretische Analysen unterschiedlich gewichten. Die zentralen Forschungsfragen betreffen also sowohl die Verflechtung der Kunst- mit der Finanzgeschichte als auch eine Neuausrichtung des „Werk“-Verständnisses über die Begriffe „Parergon“ und „Paratext“ hinaus, um von zwei Seiten – historisch wie theoretisch – die hier behauptete Verschiebung der Authentifizierung von Kunst zur Authentifizierung als Kunst zu analysieren.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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