Das Verhältnis der Prinzipien des Wissens zur Hypothesentheorie in Émilie Du Châtelet
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Du Châtelet war eine frühneuzeitliche Naturphilosophin, die behauptete, dass es zwei Dinge gibt, die in der menschlichen Erkenntnis von absoluter Gewissheit sind: apriorische Prinzipien und die Erfahrung. Ihre Hypothesentheorie wird durch den Rückgriff auf diese beiden Wurzeln der Gewissheit begründet. Du Châtelet zufolge sind alle menschlichen Urteile über Dinge, die nicht direkt auf der Grundlage apriorischer Prinzipien nachweisbar oder durch unmittelbare Sinneserfahrung evident sind, unsicher und der Wahrscheinlichkeit unterworfen. Du Châtelets Hypothesentheorie legt dar, wie sich dieses unsichere Wahrscheinlichkeitswissen von willkürlicher Meinung unterscheidet: Wenn ein Urteil durch Rückgriff auf apriorische Prinzipien und indirekte Erfahrungen verifiziert wird, erhöht sich die Wahrhscheinlichkeit seiner Richtigkeit. Erfahrungserweisung und die Einhaltung apriorischer Prinzipien sind die beiden Kriterien für eine höhere Wahrscheinlichkeit von hypothetischen Urteilen. Du Châtelets Erkenntnistheorie überbrückt nicht nur die frühneuzeitliche Kluft zwischen Rationalismus und Empirismus, indem sie sowohl apriorische Prinzipien als auch Erfahrung als Gründe für Gewissheit anerkennt - sie liefert auch eine höchst originelle Theorie der Bestimmung der Gewissheit und Wahrscheinlichkeit von Wissen. Trotz dieses wichtigen Beitrags zur frühneuzeitlichen Philosophiegeschichte wurden ihre Erkenntnistheorie und ihre Hypothesentheorie bisher nicht in ihrer Beziehung zueinander untersucht und in der Forschung der letzten zwei Jahrhunderte weitgehend ignoriert. Das Ziel dieses Projekts war es, diese Forschungslücke zu füllen und in einer Studie Du Châtelets Hypothesentheorie in ihrer Beziehung zu ihrer Erkenntnistheorie zu untersuchen. Im Rahmen des Projekts organisierte ich eine zweitägige internationale Online-Konferenz mit dem Titel Du Châtelet's Scientific Methodology. Hypotheses and the Principles of Knowledge. Das gesamte Projekt war ein wichtiger Schritt, um Du Châtelet als kanonische Autorin der Frühen Neuzeit zu etablieren und um ihren Beitrag zur frühneuzeitlichen Philosophie und wissenschaftlichen Methodologie aufzuarbeiten.
