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Entwicklung von Infigratinib-eluierenden Seeds für die lokale Behandlung von nicht-muskelinvasivem Urothelkarzinom der Harnblase

Antragsteller Dr. Henning Bahlburg
Fachliche Zuordnung Reproduktionsmedizin, Urologie
Förderung Förderung von 2023 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 520413928
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das nicht-muskelinvasive Urothelkarzinom der Harnblase (non-muscle invasive bladder cancer, NMIBC) stellt ca. 75% aller Blasenkarzinome und ist mit einer hohen Rezidivrate vergesellschaftet. Um eine Progression zu einem muskelinvasiven, sprich lokal fortgeschrittenerem Tumorstadium, oder auch z.B. eine Blutungsproblematik zu verhindern, bedarf es regelmäßiger Überwachung per Blasenspiegelung und im Falle eines erneuten Tumorwachstums einer Resektion (=Abtragung) dessen. Bisheriger Standard der Behandlung von NMIBC ist die Resektion von Blasentumoren mit nachfolgender Verabreichung von Chemo- oder Immuntherapie unmittelbar in die Blase. Erschwerend kommt bei der Therapie der Blasenkarzinome jedoch hinzu, dass diese zumeist ältere Patienten betreffen, die oft unter Begleiterkrankungen (z.B. des Herz-Kreislauf-Systems) leiden und dementsprechende Medikamente (z.B. zur Blutverdünnung) einnehmen. Da es nach Abtragung von Blasentumoren zu Blutungen kommen kann und auch die Narkose an sich mit Risiken behaftet ist, erfordert die Behandlung vieler älterer und multimorbider Patient*innen mit NMIBC eine interdisziplinäre Kooperation von Allgemeinmediziner*innen, Internist*innen, Urolog*innen und Anästhesist*innen. Ziel des Projektes war, kleine medikamentenbeschichtete Kapseln (sog. „Seeds“) zu entwickeln, die ohne Narkose per Blasenspiegelung in einen Blasentumor eingebracht werden können, um dort lokal ein Chemotherapeutikum (Infigratinib) freizusetzen. Es ist bekannt, dass NMIBC eine hohe Mutationsrate des FGFR-Gens (Fibroblast Growth Factor Receptor) aufweist. Infigratinib ist ein Medikament, welches das FGFR-Gen blockiert und damit das Blasenkrebswachstum verringern bzw. unterdrücken kann. Die Rationale zur Entwicklung dieser beschichteten Seeds war, dass dadurch invasive Resektionen unter Voll- oder lokaler Narkose mitsamt möglichen Komplikationen verringert werden könnten. Das Projekt beinhaltete die Entwicklung und Optimierung von 1.) Den Seeds und deren Beschichtung 2.) Einem Gerät zur Implantierung der Seeds in die Blase / den Tumor. Getestet wurden die Seeds zunächst im Labor in Zellkolonien sowie anschließend im Tiermodell. Hierfür wurden Mäusen Zellkolonien unter die Haut an der Flanke eingebracht und nach adäquatem Wachstum der Tumoren die Therapie begonnen. Es wurden 4 Gruppen verglichen: 1.) Mäuse, die lediglich oral ein Placebo (=Kochsalzlösung) erhielten 2.) Mäuse die oral Infigratinib erhielten 3.) Mäuse, die subkutan unbeschichtete Seeds implantiert bekamen und oral ein Placebo 4.) Mäuse die Infigratinib-beschichtete Seeds implantiert bekamen. Insgesamt zeigte sich das langsamste Tumorwachstum bei den Mäusen, die oral Infigratinib erhielten. Bei den Mäusen die beschichtete Seeds implantiert bekamen zeigte sich oftmals eine dünne Membran rund um die Seeds im Sinne einer Fremdkörperreaktion mit folgender Enkapsulierung. Die Analyse der Blutproben, welche durch Punktion der Schwanzvene gewonnen wurde, sowie der Tumoren bezüglich der Infigratinib Konzentration ist aktuell noch ausstehend. Es lässt sich jedoch vermuten, dass die Diffusion des Infigratinib in den Tumor durch die bereits beschriebene Enkapsulierung deutlich verringert war, was auch das fehlende Ansprechen auf die Therapie erklären würde. Insgesamt stellt die Therapie mit medikamentenbeschichteten Seeds oder ähnlichen Vehikeln sicherlich einen interessanten Ansatz für die Therapie des NMIBC dar. Es besteht jedoch noch deutlicher Optimierungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die oben genannte Membranbildung im Sinne einer Fremdkörperreaktion. Der Applikator für die Seeds wurde in Zusammenarbeit mit der Facullty of Biomedical Engineering der University of British Columbia entwickelt. Hier wurde zunächst ein Prototyp entwickelt, dessen Handhabung dann von Urolog*innen individuell bewertet wurde.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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