Von Patronage zum Massenmarkt: Die Institutionalisierung literarischer Wissenskulturen in den USA des 19. Jahrhunderts
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das kollaborative Forschungsprojekt untersuchte die Verknüpfung zwischen Orten der Wissensinstitutionalisierung und zentralen Strömungen der amerikanischen Literatur des 19. Jhds. Das Projekt trägt mit seinen Ergebnissen zu einer Neubeschreibung des Feldes literarischer Aktivitäten in den Vereinigten Staaten jenseits etablierter Epochenbegriffe, indem es den sozio-institutionellen Zusammenhang von professionalisiertem Literaturmarkt, Bildungseinrichtungen und kulturellem Mäzenatentum zentral setzt. Die Projektleiter forschten jeweils mit einem Fokus auf eine zentrale literaturhistorische Schwelle der amerikanischen Nationalliteratur, an der sich wandelnde staatliche bzw. privatwirtschaftliche Modelle der Patronage auf die Kerntätigkeit literarischen Schaffens auswirkten. Die Forschungsergebnisse zeichnen anhand detaillierter Analyse von digitalen und analogen Archiven die Emergenz und den Wandel literarischer Autorität am Nexus von Bildung, Wissen und Markt auf. Das erste Teilprojekt beschäftigte sich zentral mit der Massachusetts Institution, einem staatlich geförderten Zusammenschluss von Museen, Bibliotheken, und Berufsgenossenschaften, der in den 1810er und 20er Jahren politische wie publizistische Debatten anstieß. Darüberhinaus wurden wichtige Publikations- und Buchhandelsstrukturen, die maßgeblich für die Bedeutung von Boston as Zentrum amerikanischer Nationalkultur waren, in bisher so nicht beforschter Weise nachvollzogen. Ziel dieses Teilprojektes war es, den engen Zusammenhang von Kultur und Politik in seinen weitreichenden institutionellen Verflechtungen darzustellen, die sich alle im weitesten Sinne als spezifische, für die Kunst- und Künstler*innenförderung notwendige Patronagemodelle beschreiben lassen. Diese Orientierung sollte in Bezug und in Abgrenzung gesetzt werden zu den relativ gut erforschten Diskursen des literarischen Nationalismus der 1830er und 1840er Jahre, die in Primärquellen und in der akademischen Diskussion häufig durch eine Rhetorik von literarischer Autonomie und radikaler künstlerischer Freiheit charakterisiert werden. Das zweite Teilprojekt analysierte Formen von literarischem Wissen in den neuartigen Massenmagazinen des späten 19. Jhds., darunter The Ladies’ Home Journal, The Cosmopolitan, Munsey's, McClure's und The Colored American Magazine. Diese an die wachsende Mittelschicht adressierten Periodika befeuerten besonders in den 1890er Jahren einen Metadiskurs zur Professionalisierung literarischen Schreibens und zum Verhältnis zwischen kommerziellem Erfolg und literarischem Wert. Wie das Teilprojekt umfangreich belegt, ist der offene und unbeständige Charakter der Markt- und Wissensinstitionen im literarischen Feld der Jahrhundertwende Auslöser bis jetzt kaum beachteter Gattungen, Schreibformen und Stilistiken. Mit dem neu konturierten Konzept der unsettled institutions gibt das Gesamtprojekt abschließend einen wichtigen theoretischen Impuls zur Historisierung des sog. institutional turn in der amerikanistischen Literaturwissenschaft.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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A School of Its Own: US Naturalism and the Demands of Professional Labor. College Literature, 51(4), 476-501.
Loeffler, Philipp
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American Literary Institutions Around 1900. College Literature, 51(4), 429-444.
Liming, Sheila; Sedlmeier, Florian & Starre, Alexander
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Literary Sites of Institutional Confirmation and Critique: Howells in the Study, Cather in the Office. College Literature, 51(4), 669-698.
Sedlmeier, Florian & Starre, Alexander
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Unsettled Literary Institutions in the Nineteenth Century. Anglia, 143(4), 706-731.
Löffler, Philipp & Starre, Alexander
