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Auf der Suche nach Gottes Angesicht. Candomblé und Katholizismus im Dialog. Eine Fallstudie

Antragsteller Frank Biebinger
Fachliche Zuordnung Evangelische Theologie
Förderung Förderung von 2000 bis 2001
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5259936
 
Die vorliegende Arbeit ist das Ergebnis einer Fülle von Begegnungen. Sie sucht den sozialen Diskurs des Aufeinandertreffens des europäisch-okzidentalen Kulturkreises mit dem afrikanischen Erbe in der nordostbrasialinischen Metropole Salvador da Bahia nachzuzeichnen, indem sie Angehörige zweier Religionen, Katholizismus und Candomblé, zu ihrer Selbstwahrnehmung, zur Wahrnehmung des Anderen und zur Wahrnehmung des Heiligen befragt und miteinander ins Gespräch bringt. Der Antragsteller hat sich der Frage nach der Inkulturation des Evangeliums im afrobrasilianischen Kontext gestellt. Dabei macht er die Entdeckung eines "subversiven" Inkulturationsvorgangs und schildert dessen Bedeutung für die Menschen heute. Das Originelle daran ist, daß der Vorgang ohne die Hilfe von Missionaren und gegen das kirchliche Establishment geschah. Offiziell waren die aus Westafrika importierten Sklaven katholische Christen geworden, heimlich aber und des nachts bewahrten sie ihre afrikanischen Traditionen, bis es ihnen die staatliche gewährte Religionsfreiheit in diesem Jahrhundert ermöglichte, sich auch öffentlich zu ihrer Religion, dem Candomblé, zu bekennen. Daraus ergibt sich der zweite, ebenso wichtige Augenmerk der Arbeit, die gegenseitige Wahrnehmung der Mitglieder des Candomblé und der Katholischen Kirche. Wenn Menschen zwei Religionsgemeinschaften angehören, wie wirkt sich das auf ihr Selbstverständnis aus? Unter der Hand wird die Arbeit damit zu einer Studie zum Synkretismusproblem. Auch in dieser Frage vermeidet es der Antragsteller, theoretisch und abstrakt nach synkretistischen Strukturen zu fragen, sondern er läßt die Betroffenen selbst mit ihrer Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung des Anderen zu Wort kommen. So entfaltet sich ein facettenreiches, an der Praxis orientiertes Kapital zur interreligiösen Hermeneutik. Darüber hinaus gewinnt man aus der Fallstudie ein neues Bild vom gelebten Dialog der Religionen und zwar auf der Ebene, die im Dialogprogramm des ÖRK zwar anvisiert, aber bisher kaum eingelöst wurde.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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