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Ausgrabung eines einzigartigen linearbandkeramischen Massengrabes in Vráble, SW-Slowakei und Untersuchung ihres sozialen Kontexts

Antragstellerinnen / Antragsteller Dr. Katharina Fuchs; Professor Dr. Martin Furholt
Fachliche Zuordnung Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung Förderung von 2023 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 528403098
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt diente der weiteren archäologischen Ausgrabung und osteologischen sowie naturwissenschaftlichen Auswertung einer 2022 entdeckten Massendeponierung kopfloser Individuen im Erdwerksgraben der Linearbandkeramischen Siedlung von Vráble in der Südwestslowakei. Es handelt um einen einzigartigen Befund, der sich in ein interessantes kulturhistorisches Umfeld des späten 6. Jahrtausends v. Chr. in Mitteleuropa einfügt, in denen die Niederlegung unterschiedlich manipulierter menschlicher Körper in solchen Gräben ein bekanntes, aber schwierig zu deutendes Phänomen darstellt. Der hier bearbeitete Befund erhellt dieses Phänomen in einzigartiger Weise. Der begrenzte Förderungsrahmen machte eine Konzentration auf zwei Aufgabenbereiche notwendig: die Ausgrabung des noch nicht untersuchten Teils der Massendeponierung und eine erste osteologische Charakterisierung des menschlichen Knochenmaterials. Zusätzlich wurden eine Reihe weiterer naturwissenschaftlicher Analysen, wie aDNA- und Isotopenanalysen vorangetrieben.Wir konnten die zentralen Ziele erreichen. Dazu gehört die Bestimmung des Ausmaßes der Massendeponierung, die mit einer vorläufigen Mindestanzahl von 54 Individuen auf 20 m Grabenverlauf verteilt sind, davon 50 in einer Konzentration auf 15 m. Unsere interdisziplinären Untersuchungen des Skelettmaterials lieferten wichtige Einblicke in die Lebensweise und Struktur der Toten. Sie deuten darauf hin, dass diese Menschen dem genetischen Profil der frühen Neolithiker Mitteleuropas entsprechen, die Entnahme der Köpfe scheinbar nur bei Individuen älter als 12 Jahren und überwiegend männlichen Geschlechts vorgenommen wurde, und die hier Niedergelegten auffällig unterschiedliche Ernährungsprofile aufweisen. Neben einer LBK-typischen Gruppe, der auch die anderen Toten Vrábles entsprechen, fällt eine mit besonders hohen Stickstoffwerten auf, die auf einen höheren Konsum tierischer Proteine oder gedüngten Getreides hindeutet. Osteologische Marker legen nahe, dass einige der Individuen läuferisch sehr aktiv gewesen sind. Durch die Identifikation multipler Schnittspuren an Halswirbeln ließ sich zeigen, dass die Köpfe mit Hilfe scharfer Gegenstände (wohl Silex- oder Obsidianklingen) vom Körper getrennt wurden. Dies geschah wahrscheinlich kurz vor oder direkt nach dem Tod, danach wurden die Leichen im Graben abgelegt. Die Szenarien eines Massakers oder einer Hinrichtung werden somit durch andere plausible Szenarien, wie Menschopfer, Kopfjagd, aber auch spezielle Bestattungssitten, erweitert. Zwei tödliche Schädeltraumata bei den wenigen Individuen mit Kopf deuten zumindest sekundär auf ein gewaltsames Szenario. Tiefgehende Untersuchungen des gesamten Skelettmaterials sind notwendig, um zu wirklich belastbaren Ergebnissen und Deutungen zu kommen. Dies betrifft alle bisherigen osteologischen Erkenntnisse.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • A new peculiar mass deposition of headless human bodies from the LBK settlement in Vráble, SW Slovakia. Eur. Archaeol. 78, 47–54.
    Furholt, M., Cheben, I., Wunderlich, M., Bistakova, A., Fuchs, K., Hukelova, Z., Szilágyi, K. & Kühl, T.
 
 

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