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GRK 3064:  Techniken des Bezeugens: Zeugenschaft als mediale und kulturelle Praxis

Fachliche Zuordnung Kunst-, Musik-, Theater- und Medienwissenschaften
Sozial- und Kulturanthropologie, Außereuropäische Kulturen, Judaistik und Religionswissenschaft
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 530711893
 
Das Graduiertenkolleg untersucht, wie sich Zeugenschaft als mediale und kulturelle Praxis verändert, welche spezifischen Techniken des Bezeugens sich etwa in digital vernetzten Medienumgebungen herausbilden und welche Einflüsse diese Entwicklungen auf die Kulturen der Gegenwart haben. Ob es sich um Zeug:innenvideos in Sozialen Medien, Zeitzeug:innen-Hologramme, Tribunale im Theater, forensische Investigationen oder nicht-menschliche Zeugen in der Bildenden Kunst handelt – derartige Phänomene verweisen auf einen grundlegenden Wandel der Zeugenschaft. Sie stehen stellvertretend für einen dynamischen und facettenreichen Forschungsgegenstand, der neue Perspektiven in den Medien-, Kultur- und Kunstwissenschaften erfordert. Die zentrale Forschungsidee besteht darin, gegenüber der bisherigen Zeugenschaftsforschung einen entscheidenden Perspektivwechsel vorzunehmen: Während bislang vor allem die Zeug:in als singuläres Subjekt des Wissens im Mittelpunkt stand und damit der Blick anthropozentrisch, oft aber auch eurozentrisch verengt wurde, betrachtet das GRK die erweiterten Techniken des Bezeugens. Das heißt, das Kolleg untersucht verstärkt die medialen, kulturellen, ästhetischen und maschinellen Praktiken und Möglichkeitsbedingungen des Bezeugens. Zeugenschaft wird damit vor allem generativ (Erzeugen) und relational verstanden: Personale Akte, aber auch Zeugnisse non-humaner Entitäten werden in ihrer konstitutiven Verbundenheit mit technischen Apparaturen, Anordnungen, Infrastrukturen und Umwelten sowie mit kulturellen Kontexten betrachtet. Dabei folgt das Projekt einem breiten Verständnis von Technik, das kulturelle und körperliche Aspekte ebenso einschließt wie maschinelle und mediale. Der Klärungsprozess erfolgt in drei miteinander verbundenen Arbeitsbereichen, die sich 1.) den Formationen und Konstellationen des Wissens, 2.) den Prozessen und Anordnungen sowie 3.) den menschlich-apparativen Relationen widmen. Das Qualifizierungskonzept des Kollegs schafft darüber hinaus einen Mehrwert, indem es die Promotionsvorhaben in ein strukturiertes, interdisziplinäres Studienprogramm einbettet, das dazu befähigt, das eigene Fach zu vertreten und an Forschungsdiskurse der beteiligten Nachbardisziplinen anschließen zu können. Zugleich eröffnet das GRK Freiräume für eigenständige Forschungswege und sorgt für einen gleichstellungsorientierten und diversitätssensiblen Arbeitskontext. Das Kolleg betont auch die soziale Relevanz des Themas, das neue Impulse in der Wissenschaftskommunikation zu geben vermag. Denn das Wissen über Techniken des Bezeugens trägt auch zu einem besseren Verständnis von Praktiken bei, die entscheidend für die Aufarbeitung von politischen und historischen Krisenereignissen sind.
DFG-Verfahren Graduiertenkollegs
Antragstellende Institution Johannes Gutenberg-Universität Mainz
 
 

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