Entwicklung und Evaluation einer Technologie-unterstützten Beratungsintervention für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz – Programmtheorie und Vorbereitung eines Core Outcome Sets (ProCOS)
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Mit der steigenden Zahl von Menschen mit Demenz nimmt auch der Bedarf an familialer und professioneller Unterstützung zu. Beratungsangebote können zur Entlastung von pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz beitragen. Die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) für Beratungen zur Verbesserung der Zugänglichkeit wird auch vor dem Hintergrund der SARS-CoV-2-Pandemie diskutiert. Bislang liegt kein gesicherter Nachweis für die Wirksamkeit von Technik-basierter Beratung vor. Es gibt nur wenige randomisierte kontrollierte Studien, die sehr unterschiedliche Outcomes untersucht und zumeist die komplexe Intervention nicht theoriegeleitet entwickelt und evaluiert haben. Die Ziele des Projektes waren, eine initiale Programmtheorie für eine Technologie-unterstützte Beratungsintervention für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz zu formulieren und die Datenbasis für die Konsentierung eines Core Outcome Sets (COS) zu generieren. Die methodischen Vorgehensweisen zur Entwicklung einer Programmtheorie und eines COS wurden zusammengeführt. Im Rahmen eines Scoping Reviews wurden Daten zu den Merkmalen, der theoretischen Fundierung und der Umsetzung von Technologieunterstützten Beratungsinterventionen sowie zu den in klinischen Studien untersuchten Outcomes erhoben. In einer qualitativen Teilstudie wurden die Erfahrungen und Erwartungen von pflegenden Angehörigen und in der Beratung tätigen Personen mittels Leitfadeninterviews erfragt. Die transkribierten Tonaufzeichnungen der Interviews wurden durch eine interpretativphänomenologische Analyse ausgewertet. Die Synthese der Daten aus Literaturübersicht und qualitativer Teilstudie erfolgte durch die Entwicklung von Entwürfen eines logischen Modells und einer initialen Programmtheorie. In das Scoping Review wurden 69 Publikationen zu 34 Technologie-unterstützten Beratungsinterventionen für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz eingeschlossen. Die Studien wurden in elf Ländern durchgeführt und zwischen 1995 und 2024 publiziert. In der qualitativen Teilstudie wurden 15 pflegende Angehörige und 12 Beratende befragt. Die Befunde zeigen, dass unterschiedliche Zugangswege für Beratung angeboten und persönliche sowie Technik-vermittelte Kontakte individuell kombiniert werden sollten. Der Zugang zu Beratung bzw. die Aufrechterhaltung des Kontaktes kann durch die Verknüpfung mit anderen Unterstützungsangeboten und durch Outreach-Aktivitäten gefördert werden. Die Rahmenbedingungen für Beratende sind wesentlich für die Beratungsqualität. Darüber hinaus sind übereinstimmende Sichtweisen von Trägerorganisationen und Beratenden zur Ausgestaltung der Angebote wichtig für eine erfolgreiche Umsetzung. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, den Zugang zu Beratung durch die Nutzung von ICT zu verbessern und schaffen die Grundlage für die theoriegeleitete Entwicklung, Implementierung und Evaluation dieser komplexen Interventionen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Bringing together programme theory and Core Outcome Set development in technology-assisted dementia counselling – the ProCOS study. 25. Jahrestagung des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin, 13.-15.03.2024, Berlin.
Bauernschmidt, D., Wittmann, J., Bieber, A. & Meyer, G.
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Integrating programme theory into the development of a core outcome set for technology-assisted counselling interventions in dementia: study protocol of the ProCOS study. BMJ Open, 14(8), e081526.
Bauernschmidt, Dorothee; Wittmann, Janina; Bieber, Anja & Meyer, Gabriele
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Technologie-unterstützte Beratung für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz – Wie wird eine Beratungs-Intervention entwickelt und wie können pflegende Angehörige daran mitwirken? Thüringer Woche der pflegenden Angehörigen, 03.-09.06.2024, online.
Bauernschmidt, D.
