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Seinsentzug und Zeiterfahrung. Die Bedeutung der Zeit für die Entzugskonzeption in Heideggers Denken

Subject Area History of Philosophy
Term from 2001 to 2002
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 5349825
 
Die Abhandlung nimmt ihren Ausgang von der kritischen Interpretation zweier Hauptwerke Heideggers, Sein und Zeit und Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis). Dabei wird die letztgenannte Schrift überhaupt erstmalig im ganzen einer umfassenden Analyse unterzogen. Oberthür verfolgt hier die bereits in der Auseinandersetzung mit Sein und Zeit gewonnene These, daß Heideggers Exposition des Seinsproblems eine fundamentale Entzugserfahrung artikuliert. Herausgestellt wird der Befund, daß sich unserem Verstehen entzieht, was wir als ,Sein‘ im Sinne unserer eigenen Existenz, aber auch im Sinne des Seins von anderen thematisieren. Damit liegt in unserem Verstehen ein Moment der Dunkelheit, des Nichtverstehens. Dieses zeigt sich bevorzugt auch darin, daß unser Verstehen seiner eigenen Herkunft nicht habhaft zu werden vermag. Zugleich aber ist die Dimension des Verstehens Voraussetzung dafür, daß uns überhaupt wir selbst und die Welt, d. h. auch alles andere Seiende auf dieser Welt erschlossen sind. Diese Erschlossenheit faßt Oberthür mit Heidegger als Wahrheit. Sie ist mit dem Verstehen apriori gegeben als eine, deren Herkunft – analog zu der des Verstehens – verschlossen ist. Darin, daß die Wahrheit – im Sinne jener vorgängigen Erschlossenheit – nicht genuin aus dem Menschen und seinem Verstehen selbst hervorgebracht und demgemäß ihrer Herkunft nach verschlossen ist, zeigt sie sich nach Oberthür als Transzendenzphänomen. Leitend für den Autor wird von hierab die Frage, ob und wie dieses Transzendenzphänomen für uns und in uns selbst erfahrbar wird. Nach Oberthürs Untersuchung ist es die Zeit, in der und durch die es sich niederschlägt. Rekurrierend auf seine Ausgangsthese – und in kritischer Auseinandersetzung mit Heidegger – expliziert der Autor in der Folge menschliches Sein, aber auch das Sein von anderem als solches, das sich dem Menschen gerade in seinen permanenten Erfahrungen der Zeit unwiderruflich entzieht. Vermöge dieser Entzogenheit wird auch deutlich, daß am Menschen selbst sowie an allen anderen Seienden ein Moment von Unverfügbarkeit maßgeblich ist. Mit Blick auf sie entwirft der Autor die Möglichkeit, das in Erfahrungen der Zeit manifeste Entzugsphänomen ,Sein‘ als Grund für eine neu zu gewinnende, durch Achtung geprägte Haltung des Menschen sich selbst und allen anderen Seienden gegenüber zu bestimmen.
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