Detailseite
Projekt Druckansicht

Die Konstruktion frühneuzeitlicher Identitäten: Kleidung in Albrecht Dürers Werken

Antragstellerin Dr. Dilshat Kharman
Fachliche Zuordnung Kunstgeschichte
Frühneuzeitliche Geschichte
Förderung Förderung seit 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 536024075
 
Das Projekt verfolgt weiterhin die beiden Kernziele des ursprünglichen Antrags: zu untersuchen, wie Darstellungen von Kleidung zur Bildung nationaler, religiöser und kultureller Identitäten im frühneuzeitlichen Europa beitrugen, und Dürers Einfluss auf zeitgenössische und spätere Künstler in diesen Diskursen zu bewerten. Das Projekt begann mit einer vorwiegend visuellen Methodik, die vergleichende Analysen von Bildern und ikonographischen Elementen einschloss. Im ersten Jahr entwickelte sich mein Forschungspfad jedoch deutlich weiter. Ich bin nun überzeugt, dass eine sinnvolle Untersuchung darüber, wie und warum Dürer Kleidung darstellte und wie diese Darstellungen Identitätsbildung beeinflussten, auch materielle, technische und objektbezogene Aspekte seines Werks einbeziehen muss. Daher integrierte ich interdisziplinäre Ansätze des material turn in meine Forschung. Dies war mit neuen Fragen verbunden: begrenzte Kenntnisse über zeitgenössische Kleidungspraxis; unzureichendes Verständnis des Umgangs von Künstlern mit realer Kleidung und Textilien; die Schwierigkeit, Quellen für Kleidungsdarstellungen sowie die materielle Verbreitung veränderter statt originaler Bilder zu identifizieren; der Einfluss materieller Anforderungen des Kunstwerks selbst; das Schicksal des Kunstwerks als materielles Objekt und mehr. Die Auseinandersetzung mit diesen Problemen und die Suche nach Antworten führten zur Neuausrichtung und Verlängerung meines Projekts. Die Perspektive des material turn führte dazu, Dürers Darstellungen nicht nur hinsichtlich ihres Inhalts zu analysieren, sondern auch in Bezug auf das Wie, Warum und mit welcher Wirkung – gestützt auf eine vertiefte Auseinandersetzung mit Materialität, Technik und Rezeption der Darstellung als materielles Objekt. Dürers Kleidungsdarstellungen werden nicht mehr nur als Teil einer visuellen oder intellektuellen Tradition gesehen, sondern auch als geprägt von der materiellen Kultur seiner Zeit – einschließlich Technologien, Textilien und sozialen Praktiken, die beeinflussten, wie Kleidung und Kunstwerk hergestellt, getragen und verstanden wurden. Die überarbeiteten Ziele sind: 1. Analyse, wie künstlerische Medien und materielle Bedingungen Dürers Strategien zur Darstellung von Kleidung und Accessoires, besonders in Drucken und Zeichnungen, prägten. 2. Untersuchung, wie seine Darstellungen zirkulierten, neu gedeutet wurden und neue Bedeutungen erhielten, wobei Kunstwerke als mobile, wandelbare Träger kultureller Bedeutung betrachtet werden. Die Projektergebnisse tragen zur Kunst- und Kulturwissenschaft bei: 1. Durch Neuinterpretation von Dürers Kleidungsdarstellungen im Licht der materiellen Kultur. 2. Durch Klärung der Beziehungen zwischen Darstellung, künstlerischer Praxis und humanistischem Diskurs. 3. Durch genauere Erfassung der Handlungsmacht von Dürers Werken. 4. Durch Förderung einer interdisziplinären Methodik, die den material turn mit der Erforschung von Kleidung in der Kunst verbindet.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung