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"und blätterte ein wenig in der Bibel" Studien zu Franz Kafkas Bibellektüre und ihren Auswirkungen auf sein Werk
Antragsteller
Bertram Rohde
Fachliche Zuordnung
Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Förderung
Förderung von 2002 bis 2003
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5362119
In der Untersuchung wird nachgezeichnet, auf welche Art und Weise sich die Bibellektüre des Lesers Franz Kafka in den Schriften, Tagebüchern und Briefen des Autors niedergeschlagen hat. Anhand eines Vergleichs verschiedener Bibelexzerpte Kafkas mit dem Wortlaut diverser zeitgenössischer Bibeln wird zunächst nachgewiesen, dass Kafka mit einer Lutherbibel nach der "durchgesehenen" Ausgabe der Revision von 1892 gearbeitet hat. Diese Textgrundlage ermöglicht neue, differenzierte Beobachtunge am Werk des vielgelesenen Autors. Neben umfangreichen Analysen verschiedener auf das Alte Testament zurückgehender Texte (Sündenfall-Aphorismen, die Erzählungen Ein Brudermord und Das Stadtwappen, verstreute Partien zur Moses- und zur Abrahamgestalt), widmet sich die Arbeit auch ausführlich jenen Texten, die Kafkas Lektüre des Neuen Testaments, der Evangelien wie der Paulusbriefe, belegen. Gegenstand der Studien sind hier die ersten Spuren der Bibellektüre im Romanfragment Der Verschollene, Kafkas ironischer Kommentar zur biblischen Weltgerichtserzählung im Theater von Oklahoma, seine intensive Auseinandersetzung mit der Passionsgeschichte Jesu in der Erzählung In der Strafkolonie, die Umprägungen der Gleichniserzählungen vom barmherzigen Samariter (Die Vorüberlaufenden) und vom verlorenen Sohn (Heimkehr) und nicht zuletzt die in der Kafkaforschung bisher noch kaum gesehene kritische Rezeption zentraler Begriffe der paulinischen Theologie. Flankiert werden die Analysen von grundsätzlichen Überlegungen zur Vortextproblematik, wie zur Raumstruktur bzw. zu den Raum-Zeit-Korrelationen in den Texten Kafkas.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
