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Schatten der Erinnerung. Film und Literatur im Spanien nach Franco
Antragstellerin
Ursula Vossen
Fachliche Zuordnung
Theater- und Medienwissenschaften
Förderung
Förderung von 2002 bis 2003
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5362135
Ausgehend von Siegfried Kracauers Spiegeltheorie demonstriert die vorliegende Arbeit "Schatten der Erinnerung" anhand von sechs Schlüsselfilmen, die jeweils ein überragendes Werk der spanischen Literatur adaptieren, wie diese den Zeitgeist und die spezifische gesellschaftliche Situation nach Francos Tod in Differenz zu ihrer literarischen Vorlage reflektieren und den Selbstverständigungsprozess der im Umbruch befindlichen spanischen Gesellschaft über die eigene Vergangenheit Ausdruck geben. Deutlich werden existentielle Grenzerfahrungen, die auf den Spanischen Bürgerkrieg und den Übergang von der Diktatur in die Demokratie verweisen. In allen Filmen spiegelt das Phänemen der "Ent-Schuldung" die Praktizierung der gesamtgesellschaftlichen Amnesie wider. Die Arbeit weist nach, dass der spanische Literaturfilm der achtziger Jahre eine wichtige gesellschaftliche Kraft war und mit seinen fiktionalen Mitteln Gegengeschichten zur 36 Jahre lang oktroyierten frankistischen Interpretation der Geschichte erzählte. Einerseits gab der Film der zeitgenössischen Kollektivmentalität Ausdruck, andererseits verhielt er sich prinzipiell affirmativ zu ihr und trug damit zur Stabilisierung in der Übergangsphase bei. Er hatte wesentlichen Anteil an den unterschwelligen Verdrängungsmechanismen des Übergangs, gab ihnen aber zugleich Ausdruck und sprach damit die psychologischen Bedürfnisse eines großen Publikums an. Deshalb kann er im besten Sinne eine nationale Kinematografie genannt werden.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
