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Autoritäre Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert. Progressiver Städtebau und partizipative Planung in Ungarn und Serbien

Fachliche Zuordnung Städtebau/Stadtentwicklung, Raumplanung, Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Landschaftsplanung
Förderung Förderung seit 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 537835253
 
In den letzten Jahren ist Stadtentwicklung in autoritären Kontexten zunehmend von Entwicklungen geprägt, die das gängige Bild autoritärer Stadtentwicklung infrage stellen. Immer öfter trifft man auf am menschlichen Maßstab orientierte Aufwertungsprojekte öffentlicher Räume, die ein offenes und progressiv anmutendes Image signalisieren, und vielerorts boomen partzipative und evidenzbasierte Planungsansätze. Während diese Formen der Stadtentwicklung in liberal-demokratischen Gesellschaften bereits umfassend untersucht worden sind, besteht bisher wenig Wissen zu ihren politischen Funktionen und Wirkweisen in anderen Kontexten. Bisherige Studien zur Einführung und Praktizierung dieser häufig mit Demokratisierung in Zusammenhang gebrachten Policies in autoritären Kontexten kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Während ihnen manche Studien regimestabilisierende Wirkung bescheinigen, weisen andere auf ihr Potential für Demokratisierung hin. Dem daraus entstehenden Bedarf an weiterführender empirischer Forschung kommt dieses Vorhaben nach. Es nimmt dafür kontraintuitive Entwicklungen zum Ausgangspunkt der Analyse, nämlich das vermehrte Auftreten von partizipativer Planung und progressiven Städtebaus in Kontexten mit zunehmend autoritären Tendenzen. Anhand einer international vergleichenden Untersuchung dieser Policies in Ungarn und Serbien - zwei der derzeit weltweit am stärksten von Autokratisierung betroffenen Kontexte - legt es deren politische Funktionen und Wirkweisen offen und fragt danach, welche Technologien des Regierens sich in ihnen abbilden. Dafür kommen eine qualitative Diskursanalyse textlicher und bildlich-planerischer Dokumente, leitfadengestützte Expert*innen-Interviews sowie teilnehmende Beobachtungen zur Anwendung. Das Vorhaben zielt darauf ab, konkrete Einsichten zur Rolle von Stadtentwicklung innerhalb zunehmender Prozesse der Autokratisierung in heutigen Gesellschaften zu generieren und die spezifischen Ausprägungen und Funktionsweisen heutiger Formen autoritärer Stadtentwicklung freizulegen. Anknüpfend an interdisziplinäre Gouvernementalitäts-Studien stärkt es die bislang wenig ausgebildete Forschungslandschaft zu heutigen Formen autoritärer Stadtentwicklung und trägt zu einer Aktualisierung der einschlägigen planungshistorischen Forschung bei.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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