Detailseite
GRK 3113: Ästhetik der Demokratie
Fachliche Zuordnung
Literaturwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 538820599
In Öffentlichkeit und Wissenschaft gilt die Demokratie meist als eine Regierungsform: als Gefüge von Institutionen und Prozeduren, mithilfe derer politische Interessen gebildet, artikuliert und vertreten werden. Das beantragte Graduiertenkolleg dagegen erforscht, was es bedeutet, die Demokratie als einen umfassenden Zusammenhang des kollektiven Lebens zu verstehen. Wenn es sich bei der Demokratie um eine Form des Zusammenlebens handelt, dann stellt sich die Frage, wie sich dieser zunächst unbestimmte Formbegriff der Demokratie konkretisieren lässt. Hierzu bedarf es einer Analyse der anschaulichen Formen des sozialen Lebens. Hier setzt die Konzeption des Graduiertenkollegs „Ästhetik der Demokratie“ an. Ausgehend von Begriffsvorschlägen der politischen Theorie zum Ineinandergreifen von Regierungsform und Form des Zusammenlebens – hierzu gehören „way of life“, „Lebensform“, „politische Form der Gesellschaft“ und „soziale Demokratie“ – bringt es Methodenbestände der Geisteswissenschaften in Anschlag, um im interdisziplinären Zusammenwirken von Literatur-, Kunst-, Film- und Medienwissenschaften, Geschichte sowie Philosophie die Ordnungen, Praktiken, Dinge und Erfahrungen zu untersuchen, die dem demokratischen Zusammenleben Form verleihen. Ob man nun an spezifische Wahrnehmungsordnungen denkt oder an Handlungsweisen, an Kommunikationsformen, Ausformungen der Dingwelt, künstlerische Praxis oder spezifische Erfahrungsformen: In all diesen Facetten hat das demokratische Leben eine sinnliche und ästhetische Dimension. Ihr will sich das Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ eigens zuwenden. Ästhetik bedeutet hier dreierlei: erstens, die gesellschaftlich spezifische Ordnung des sinnlich (aisthetisch) Wahrnehmbaren; zweitens, die ästhetischen Formen, Urteile und Erfahrungen von je spezifischen Formen demokratischen Zusammenlebens; und drittens, die künstlerischen Reflexionen und Entwürfe von Gemeinschaftlichkeit und Differenz, die zur Verständigung über das demokratische Zusammenleben beitragen. Die Demokratie, so die Ausgangshypothese, ist eine offene, reflexive Form des Zusammenlebens, da sie von Auseinandersetzungen darüber geprägt ist, wie sie gestaltet werden soll. Die Aushandlung ihrer Form ist ihre Form. Bezogen auf die Ästhetik bedeutet das: Die Demokratie wird über die Sinne wahrgenommen, und sie ist zugleich geprägt von Auseinandersetzungen, die nicht zuletzt die Ausgestaltung des Sinnlichen zum Gegenstand haben. Ziel des Graduiertenkollegs ist es, mit der Ausbildung von exzellenten Forscher*innen in frühen Karrierestufen einen Beitrag zur Entwicklung interdisziplinärer Demokratieforschung zu leisten, die das Erkenntnispotential der Geisteswissenschaften im engen Austausch mit öffentlichen Institutionen weiterentwickelt. Frankfurt und die Rhein-Main-Region verfügen über langjährige Kompetenzen in der Demokratie- und Ästhetikforschung, die durch 17 internationale Partnerorganisationen des GRK auf fünf Kontinenten weiter bereichert werden.
DFG-Verfahren
Graduiertenkollegs
Antragstellende Institution
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Beteiligte Institution
Technische Universität Darmstadt
Sprecher
Professor Dr. Johannes Völz
beteiligte Wissenschaftlerinnen / beteiligte Wissenschaftler
Professor Dr. Heinz-Joachim Drügh; Professor Dr. Andreas Fahrmeir; Professorin Dr. Frederike Felcht; Professor Dr. Achim Geisenhanslüke; Professor Dr. Vinzenz Hediger; Professorin Dr. Antje Krause-Wahl; Professorin Dr. Sophie Loidolt; Professorin Dr. Laliv Melamed, Ph.D.; Professor Dr. Martin Saar; Professorin Dr. Heike Schäfer; Professorin Dr. Zhiyi Yang
