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Analyse von kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl zur Prädiktion von Komplikationen bei Nierentransplantationsempfänger:innen

Antragstellerin Friederike Selbach
Fachliche Zuordnung Nephrologie
Förderung Förderung seit 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 539291308
 
Die Nierentransplantation (NTx) ist die Therapie der Wahl für Patientinnen und Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz. Harnwegsinfektionen (HWIs) und Transplantatabstoßungen sind die Hauptursachen für Morbidität, Mortalität und Transplantatverlust. Zunehmende Evidenz weist darauf hin, dass das Darmmikrobiom durch seine immunmodulatorischen und metabolischen Funktionen eine entscheidende Rolle bei posttransplantären Komplikationen spielt. Kommensale Darmbakterien, die kurzkettige Fettsäuren (SCFA) wie Acetat, Butyrat und Propionat produzieren, sind mit einem reduzierten Risiko für HWIs und Abstoßungsreaktionen assoziiert. HWIs sind die häufigste infektiöse Komplikation nach NTx. Klassischen Risikofaktoren erklären ihr Auftreten nur unvollständig. Eine Anreicherung von Uropathogenen wie Escherichia und Enterococcus im Darm sagt das spätere Auftreten von HWIs voraus, während SCFA-produzierende Bakterien einen schützenden Effekt zeigen. SCFA wirken direkt antimikrobiell, indem sie das Wachstum von Enterobacteriaceae hemmen und das mikrobielle Gleichgewicht aufrechterhalten, wodurch die Anfälligkeit für Enterobacteriaceae-assoziierte HWIs verringert wird. Unsere Vorarbeiten zeigen erstmals in klinischen Daten, dass niedrige fäkale SCFA-Spiegel mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Enterobacteriaceae-Bakteriurien verbunden sind. Über die Infektionskontrolle hinaus beeinflussen SCFA auch die Transplantatimmunität. Sie fördern über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren die Differenzierung und suppressive Funktion regulatorischer T-Zellen und stärken so die Immuntoleranz. Klinische Daten zeigen zudem, dass eine verringerte mikrobielle Diversität und der Verlust SCFA-produzierender Bakterien akuten Abstoßungsepisoden vorausgehen. Diese Studie untersucht anhand zweier NTx-Empfänger:innen-Kohorten fäkale SCFA als funktionelle Biomarker, die den Zusammenhang zwischen mikrobieller Stoffwechselaktivität und posttransplantären Komplikationen aufzeigen. Durch die Integration von SCFA-Quantifizierung und mikrobieller Sequenzierung analysieren wir die prädiktiven und mechanistischen Rollen von SCFA bei der Entstehung von HWIs und Transplantatabstoßungen. Die SCFA-Analyse liefert eine direkte, schnelle und kosteneffiziente Bewertung der Darmmikrobiomaktivität und könnte eine frühzeitige Erkennung, gezielte Risikostratifizierung und individualisierte Prävention ermöglichen, mit dem Ziel, das Transplantat- und Patientenüberleben nach Nierentransplantation nachhaltig zu verbessern.
DFG-Verfahren WBP Stipendium
Internationaler Bezug USA
 
 

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