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Die HIV/Aids-Krise in Botswana - Soziale und ökonomische Auswirkungen und gesellschaftliche Handlungsoptionen

Subject Area Human Geography
Term from 2004 to 2008
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 5422864
 
Final Report Year 2008

Final Report Abstract

Botswana zählt zu den Staaten mit den höchsten HlV-Infekfionsraten weltweit. HIV und AIDS sind in Botswana zum dominierenden Einflussfaktor des gesellschaftlichen Wandels geworden. Ein Forschungsfokus lag bisher vor allem auf biomedizinischen Aspekten der AIDS-Pandemie, während aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive bislang nur lückenhafte Erkenntnisse voriagen. Übergeordnetes Ziel des Forschungsvorhabens war es daher, zu einem tiefergehenden sozialwissenschaftlichen Verständnis der AIDS-Pandemie im Entwicklungskontext beizutragen. Ausgangspunkt des Projekt-Konzepts war die Interpretation der HIV/AIDS-Pandemie im südlichen Afrika als Krise. Eine Krise wird als Teil eines voranschreitenden gesellschaftlichen Destabilisierungsprozesses gesehen. Diese fortschreitende Destabilisierung führt dazu, dass sich die betroffenen Menschen permanent neuen Herausforderungen gegenübergestellt sehen, die sie zu bewältigen haben. Neben erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und einer durch Krankheit, Sterben und Tod geprägten Alltagswelt sind es u.a. ökonomische Folgen sowie soziale Stigmatisierungs- und Diskriminierungsprozesse, die den Lebensalltag der Betroffenen prägen. Wie wir zeigen konnten, sind auf individueller Ebene und auf Haushaltsebene AIDS- induzierte Beeinträchtigungen der Lebensführung und der Existenzsicherung nicht von der Hand zu weisen. Direkte Korrelationen zwischen AIDS und Verwundbarkeit sind aber überraschendenweise nur in einzelnen Fällen mit belastbaren Daten nachweisbar. Andere Faktoren, die gesellschaftliche Transformationsprozesse auslösen oder beeinflussen, lassen sich nicht immer trennscharf darstellen. Es zeigte sich, dass herkömmliche Analysekonzepte, wie sie in der Entwicklungsforschung und -praxis zum Einsatz kommen, bei der Untersuchung der AIDS-Pandemie nur eingeschränkt tauglich sind. Während der Projektarbeiten wurde in Botswana ein flächendeckendes Therapieprogramm eingeführt. Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene ist es insbesondere dieses Programm („Masa") gewesen, das in Botswana zu neuen „Leitthemen" des Umgangs mit AIDS geführt hat. Da nach Einführung der antiretroviralen Therapie Tod und Krankheit als Folge einer HlV-Infektion weitgehend verhindert werden, konnten wir Stigma und Diskriminierung als die neuen wesentlichen sozio-ökonomischen Einflussfaktoren identifizieren. Da aber etablierte Stigma-Konzepte zur Erklärung der durch AIDS ausgelösten sozialen Prozesse nicht hinreichend waren, müssten im Rahmen unseres Projekts neue Ansätze entwickelt werden. Dies führte auf inhaltlicher Ebene zu einem besseren Verständnis des AIDS-induzierten sozialen Wandels, auf theoretisch-konzeptioneller Ebene zu einer Erweiterung der in der Geographie etablierten Vorstellungen von sozialer Fragmentierung. Bei unserem Forschungsprojekt handelt es sich um das erste überhaupt, das im südlichen Afrika die durch die Therapiemaßnahmen ausgelösten gesellschaftlichen Veränderungen dokumenfiert. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sind von Medizinern, politischen Entscheidungsträgern, Planern und Betroffenen bereits mit großem Interesse aufgenommen worden.

Publications

  • Anzeichen für den Einfluss von HIV/AIDS aufdie Existenzabsicherung. (Vortrag, GTZ Eschborn)
    Geiselhart, K.
  • Discussant, Panel „HIV/AIDS as a threat to human security in Africa?" (AEGIS International Conference of African Studies, London/UK)
    Krüger, F.
  • Crisis? What Crisis? (Vortrag, gem. m. C. Samimi, Minnesota State University, Mankato/USA)
    Krüger, F.
  • Preliminary Findings: Stigma and Discrimination. A New Focus for Socioeconomic HIV and AIDS Research (Vortrag, von der Projektgruppe organisierter interdisziplinärer Workshop Gaborone/Botswana „Changing HIV and AIDS impact patterns in the wake of the ARV-
    Geiselhart, K.
  • Stigma, Support initiatives and the 'Directors' Dilemma
    Geiselhart, K.
  • The African Welfare State and the HIV/AIDS Crisis (Vortrag, AAG-Kongress Chicago/USA)
    Krüger, F.
  • The HIV-pandemic in Botswana and the need for further social research. (Vortrag, yon der Projektgruppe organisierter interdisziplinärer Workshop Gab'oi-one/Botswana „Changing HIV and AIDS impact patterns in the wake of the ARV-therapy")
    Krüger, F.
  • A Model in Use: Experiences from the Utilisation of the Sustainable Livelihoods Framework in Social Research (Vortrag, AEGIS International Conference of African Studies, Leiden/NL)
    Geiselhart, K.
  • Antiretrovirale Medikamente als Strategie im Kampf gegen die HlV-Pandemie. Das Fallbeispiel Botswana. (Vortrag, Geographentag Bayreuth)
    Geiselhart, K.
  • Die HIV-/AIDS-Krise im südlichen Afrika: Lokale und globale Herausforderungen. In: Mächtle, B., Gebhardt, H., Schmid, H., Siegmund, A. (Hrsg.): Risiken und Sicherheit in einer globalisierten Welt. HGG-Journal 21, 2007. S. 59 - 69
    Krüger, F.
  • Die HIV/AIDS-Krise - Botswanas strategische Antwort als Vorbild?. Geographische Rundschau, 59 (2): S. 54 - 61
    Geiselhart, K. und Krüger, F.
  • Stigma and public health. HlV-related stigma and its impact on the ARV scheme in Botswana. (Vortrag, ISMG (International Symposium in Medical Geography) Bonn.)
    Geiselhart, K.
  • „We people of HIV - with this HIV thing. Leben und lieben mit HIV in Botswana." Radiosendung, 53 min, DeutschlandradioKultur, Ursendung 01.12.2007
    Geiselhart, K.
  • Children, Adolescents and the HIV and AIDS Pandemic: Changing Inter-generational Relationships and Intra-family Communication Patterns in Botswana. Children, Youth and Environments (CYE), 18 (1): S. 99-125.
    Geiselhart, K., Krüger, F. und Gwebu, T.
  • Gesundheit, Risiko und Lebenshaltung: Theoretische Annäherungen und neue empirische Ergebnisse. (Health, Risk, and Livelihoods: Theoretical Approaches and New Empirical Findings.) (Vortrag, von der Projektgruppe organisierter interdisziplinärer Workshop E
    Krüger, F.
  • Haushaltsökonomien und Sozialer Wandel und Ein sozialgeographischer Blick auf HIV in Botswana (Vorträge, von der Projektgruppe organisierter interdisziplinärer Workshop Erlangen „Gesundheit, Medizin, Lebenswelten und Existenzsicherung - Health, Medical Ca
    Geiselhart, K.
  • Sozialer Raum - Mehr als nur eine Metapher. Zur sozialgeographischen Konzeptualisierung sozialer Dimensionen. (Vortrag, Tagung AK „Neue Kulturgeographie, Jena)
    Geiselhart, K.
  • Stigma and Discrimination. Social Encounters, Identity and Space
    Geiselhart, K.
 
 

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