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Theologien des Modernen Tanzes
Antragsteller
Dr. Alexander Harry Schwan
Fachliche Zuordnung
Theater- und Medienwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2024
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 545038446
„Theologies of Modern Dance“ ist ein dreijähriges Projekt zum Abschluss einer Habilitation in Critical Dance Studies an der Freien Universität Berlin. Thema des Projekts sind die impliziten theologischen Argumente in Tanzarbeiten und Tanzästhetiken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auf der Grundlage von Archivrecherchen in Europa, den Vereinigten Staaten und Australien beinhaltet das Projekt einen zweitägigen internationalen Workshop sowie eine öffentliche Diskussion. Das wichtigste Ergebnis ist eine Buchveröffentlichung bei Oxford University Press (Oxford Studies in Dance Theory Series). In dieser Monographie wird erstmals aufgedeckt, wie jüdische, christliche und alternativ-religiöse Vorstellungen in moderner Bewegungssprache realisiert wurden. Ziel ist es zu zeigen, dass Geschichte und Ästhetik des modernen Tanzes nur dann in ihrer Komplexität erfasst werden, wenn ihre religiöse Aufladung berücksichtigt wird. Die Anfänge des modernen Tanzes in Mitteleuropa und Nordamerika waren besonders reich an implizierter Religiosität und verkörperten theologischen Argumenten. Vor allem in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hatten viele der Protagonist*innen der Tanzmoderne ein zutiefst religiöses Verständnis von Tanz. Während sie sich von den engen Grenzen institutionalisierter Religion befreiten, entwickelten sie im Gegenzug eine neue Tanzreligion. Folglich war die Religiosität im modernen Tanz ein Phänomen mit einem ausgeprägt hybriden Charakter: Anstatt sich ausschließlich auf institutionalisierte und etablierte Religionen oder auf eine einzige Theologie zu beziehen, schufen moderne Tänzer*innen ihre eigenen Konzepte dafür, wie Tanz genutzt werden kann, um das Faktische zu transzendieren und spirituelle Bereiche zu erkunden. Sie kombinierten theologische Argumente aus verschiedenen religiösen Traditionen, interpretierten sie neu und mitunter in deutlicher Verzerrung, um so eine Vielzahl von Tanztheologien zu verkörpern. „Theologies of Modern Dance" analysiert historische Quellen sowie den historischen Diskurs um das Religiöse im modernen Tanz und interpretiert beides mit Hilfe zeitgenössischer Theorie. Welche theologischen Argumente (Theologoumena) wurden in textlichen Zeugnissen von Choreograph*innen und ihrer historischen Zeitgenoss*innen verhandelt? Welche Theologoumena wurde absichtlich vermieden, und warum? Welche Ausdrücke und Terminologien haben moderne Tänzerinnen aus religiösen Diskursen entlehnt, und wie haben sie dieses vorgefundene Material verändert? Welches neue und möglicherweise häretische oder heterodoxe Sprachmaterial wurde erfunden, um den modernen Tanz religiös zu rahmen? Die Monographie „Theologies of Modern Dance“ wird die internationale Tanzwissenschaft und die angrenzenden Bereiche der Theologie, der Religionswissenschaften, der Kunstgeschichte sowie der Literatur- und Kulturwissenschaften nachhaltig beeinflussen und das Verständnis der Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts grundlegend verändern.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
