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Archivalische Souveränität: Indigene digitale Medien, Wiederbelebung der Sprache und Landverteidigung in den Anden

Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Afrika-, Amerika- und Ozeanienbezogene Wissenschaften
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 546936267
 
Die Nachwuchsforschungsgruppe beantragt ein Projekt, das die Bildung digitaler Archive durch indigene Gruppen und Akteure auf ihre eigene epistemologische Art und Weise und in Verbindung mit ihren angestammten Ländern und Umgebungen analysiert, wobei sie davon ausgeht, dass diese Bildung mit Agenden der Wiederbelebung der Sprache und der Verteidigung ihrer Territorien zusammenhängt. Anhand des originellen Konzepts der "Archivalische Souveränität“ analysiert die Forschungsgruppe die Prinzipien, Agenturen und kosmopolitischen Aspekte der Archivbildung der Quechua Cañaris, einer indigenen Gruppe in den Anden. Dieses Konzept stellt eine Herausforderung für europäische/westliche Vorstellungen vom Archiv dar: (i) die Betrachtung eines Archivs als einen Raum, eine Praxis und einen Prozess zur Sammlung und Produktion von Wissen; (ii) die Betrachtung indigener Archive als auf einer Zeitlichkeit beruhend, die von der Zeitlichkeit der Archive der Moderne abweicht; und (iii) die Untersuchung, wie indigene andine Gesellschaften die Handlungskapazitäten zeitgenössischer digitaler Infrastrukturen verstehen und mit ihnen interagieren. Das Konzept „Archivalische Souveränität“ unterstreicht die relationale Reproduktion des Quechua-Wissens und die Rolle der anders als-menschlichen Wesen in der Wissens- und Archivproduktion und ermöglicht es, sich auf Projekte zur Erhaltung digitaler Archive aus der Perspektive indigener Epistemologien zu konzentrieren, wobei eine wenig untersuchte Andengemeinschaft als Fallstudie dient. Gleichzeitig ist es Ziel dieses Projekts zu verstehen, wie Quechua Cañaris Aktivisten andere, nicht-indigene Archivsysteme umgehen und sich an der Restitution von historischem audiovisuellem Material beteiligen, das in Universitätsarchiven aufbewahrt wird. Zu den Arbeitsmethoden gehören die Erhebung von audiovisuellem Material, ethnografische Forschung vor Ort, digitale Ethnografie und die gemeinsame Produktion einer öffentlichen Ausstellung, einer Multimedia-Website und einer gemeinsam herausgegebenen Monographie. So wird die Nachwuchsgruppe die Rolle der kollaborativen und ko-kreativen Forschung in Initiativen zur Archivierung und kulturellen Autonomie betonen. Mit einem Schwerpunkt auf digitalen Archiven, leistet das Projekt einen Beitrag zur Medienanthropologie, zur Anthropologie der Archive und zu globalen indigenen Studien, in dem es die Rolle die relationale und landbasierte Epistemologien, inter-species Lernen, und digitale Medien in aktuellen Projekten zur Wiederbelebung von Sprache, territorialer Souveränität und Autonomie spielen, hervorhebt. Die Schlussfolgerungen dieses Projekts werden für Debatten über die Verknüpfungen zwischen indigenen Medien und digitalen Archiven sowie über die Politik der Sprach- und Landverteidigung aus verschiedenen indigenen Gebieten auf der ganzen Welt von Nutzen sein.
DFG-Verfahren Emmy Noether-Nachwuchsgruppen
 
 

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