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Landschaft Macht Film. Zwischen Bild und Ton, Geografie und Geschichte.
Antragsteller
Philip Widmann
Fachliche Zuordnung
Theater- und Medienwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2024
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 548656230
Landschaft „scheint nichts mit dem Kino zu tun zu haben“, und doch könne man „auf vielerlei Weise sagen, dass die Geschichte des Kinos mit der Landschaft beginnt“, schreibt der Filmwissenschaftler Benoît Turquety. An diesen Gedanken anknüpfend, entwickelt Landschaft Macht Film die These, dass Filme von Beginn des Kinos an mit Landschaften beschäftigt sind, an außerfilmischen Landschaftsdiskursen partizipieren und dabei Fragestellungen aktualisieren, die bereits im Kontext früherer Medien und Technologien der Landschaft wie Malerei, Fotografie und Eisenbahn formuliert wurden. Spätestens mit der Entwicklung elaborierter Kamera- und Montagetechniken sowie des Filmtons wird Landschaft zum Konstitutionsproblem. In der Zusammenführung zu einer filmischen Einheit akzentuieren und überschreiten Bewegungsformen und Klänge des Kinos die für die Landschaft konstitutiven Rahmungen und distanzierten Blicke. Vorfilmische und kinematografische Aspekte setzen einander unter Spannung, hintergehen und verraten die Funktionen ihres jeweiligen Gegenspielers. Close readings filmischer Arbeiten von Masao Adachi (A.K.A. Serial Killer), Gerhard Friedl (Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte und Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?), Danièle Huillet und Jean-Marie Straub (Zu früh, zu spät) untersuchen, wie dieses Spannungsverhältnis zum Gestaltungsprinzip gemacht und welches kritische Potential dabei aktiviert wird. Dokumentarische Ansichten stehen Stimmen aus dem Off gegenüber, die über Personen und Ereignisse aus der Vergangenheit sprechen, welche in diesen Bildern ungesehen bleiben. Mit dieser Auflösung der materiellen und räumlichen Einheit des Tonfilms werden ungeahnte Neuverbindungen von Aktualität und Geschichte, von Horizontalität und Vertikalität als raumzeitliche Achsen der künstlerischen und wissenschaftlichen Imagination und der alltäglichen Orientierung ermöglicht. In den Filmen ist Landschaft Problem und Potential zugleich, indem sie Mediengeschichte mit Geschichte als politisch-kulturellem Konstrukt und den Zustand der materiellen Welt mit den Machtfunktionen ihrer Repräsentationen kurzschließt. Landschaft Macht Film legt Zusammenhänge zwischen den weit auseinanderliegenden geschichtlichen und geografischen Bezugspunkten der Filme frei und zeigt auf, wie eng diese durch die Kolonialität und Warenförmigkeit des landschaftlichen Blicks verwoben sind. Die formalen Ähnlichkeiten der Filme von Adachi, Friedl, Huillet und Straub sind gelegentlich bemerkt worden. Hier werden sie erstmals ausführlich zueinander in Beziehung gesetzt – als singuläre Filme, sowie als Objekte und Akteur:innen von Diskursen, die Landschaft, Macht und Film zusammen denken. Methodisch folgt Landschaft Macht Film einem beschreibenden und hermeneutischen Ansatz, der sich an der Schnittstelle von filmischen Praktiken und diskursiven settings entwickelt; in der Untersuchung der Interaktionen an dieser Schnittstelle begreift das Buch Filmwissenschaft als transdisziplinäre Aufgabe.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
