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¡Partamos, musa mía! – Auktoriale Lyrik spanischer und hispanoamerikanischer Dichter:innen von der Aufklärung bis zum Modernismo
Antragstellerin
Dr. Ines Kremer
Fachliche Zuordnung
Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 558771547
Ob monja, madre oder musa – geschlechtsspezifische Verhaltensnormen bestimmen seit Jahrhunderten das literarische Schreiben von Frauen. Als kulturhistorischer Umbruch der Geschlechterordnung gilt die Ilustración, weshalb sie den Ausgangspunkt des Projekts bildet, das aus einer historisch vergleichenden Perspektive nach dem Verhältnis zwischen Autorschaft, lyrischem Ich und Geschlecht in spanischer und hispanoamerikanischer Dichtung fragt. Dieser Ansatz erlaubt, sowohl Kontinuitäten als auch spezifische Entwicklungen der einzelnen Epochen und Kulturräume herauszuarbeiten. Dabei wird untersucht, inwiefern herausragende, doch wenig rezipierte Dichterinnen wie María Gertrudis Hore (Spanien, 1742-1801), Concepción de Estevarena (Spanien, 1854-1876), Gertrudis Gómez de Avellaneda (Kuba, 1814-Spanien 1873) und Delmira Agustini (Uruguay, 1886-1914) ihre Position als Autorinnen reflektieren und in welchem Verhältnis diese Position zum intratextuellen lyrischen Ich steht. Dies erfolgt anhand des innovativen Konzepts der ‚auktorialen Lyrik‘, das ermöglicht, die textimmanente Ebene von außerliterarischen Lebens- und Publikationsbedingungen zu unterscheiden. Damit wird die aktuelle Debatte über Autorschaft, Autobiografie und Autofiktion, die sich vorrangig auf Prosatexte bezieht, für die Analyse der Beziehung zwischen Autor:in und lyrischem Ich fruchtbar gemacht, und ein Beitrag zur grundlegenden Revision des Kanons geleistet. Die Analyse von Diskursen sowohl über Weiblichkeit als auch über Männlichkeit wird zeigen, inwiefern stereotype Geschlechterkonstrukte hinterfragt werden. Neben literarischen Texten nimmt das Vorhaben Paratexte und Selbstzeugnisse in den Blick, die Aufschluss über geschlechtsspezifische Bedingungen von Literaturschaffenden sowie deren Selbst- und Fremdwahrnehmung geben, und bereitet die digitale Edition des Gesamtwerks von Estevarena vor. Anders als bereits vorliegende Arbeiten führt das Projekt somit literatursoziologische und textphilologische Ansätze sowie Weiblichkeits- und Männlichkeitsforschung zusammen.
DFG-Verfahren
WBP Stelle
