Detailseite
Projekt Druckansicht

Gender: Sprache und Metaphysik (GLAM)

Antragstellerin Dr. Viktoria Knoll
Fachliche Zuordnung Theoretische Philosophie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 558952889
 
Das Thema ‚Gender‘ ist in aller Munde. Aus Sicht der theoretischen Philosophie ist allerdings schlecht verstanden, was es heißt, eine Frau oder ein Mann, oder z.B. agender oder bigender zu sein. Zudem ist offen, wie unsere Sprache über Geschlecht genau zu analysieren ist. Das ist einerseits überraschend. Denn nicht nur besteht beim Thema offenbar erhöhtes begriffliches Klärungsinteresse, sondern die theoretische Philosophie stellt mit ihrer langen Tradition in der Metaphysik und Sprachphilosophie eigentlich auch die Mittel bereit, das Thema systematisch aufzuarbeiten. Andererseits hat sich die theoretische Philosophie bislang wenig mit feministischen Fragestellungen auseinandergesetzt. Und das Thema Geschlecht birgt eigene, faszinierende metaphysische und sprachphilosophische Herausforderungen. Beispielsweise entstammen Frauen unterschiedlichen ökonomischen, sozialen und kulturellen Kontexten, haben unterschiedliche Hautfarben und körperliche Fähigkeiten. Es ist offen, ob wir als Metaphysiker*innen wirklich etwas finden können, was allen Frauen gemein ist. Neuere internalistische Ansätze sehen die Lösung in einer bestimmten inneren Orientierung zur Welt – einer ‚Genderidentität‘. Ein Schlüssel, um der Vielfalt gerecht zu werden, könnte aber auch auf sprachlicher Ebene liegen, z.B. in einer semantischen Mehrdeutigkeit oder Kontextsensitivität von Ausdrücken wie „Frau“. Das Projekt „Gender: Language and Metaphysics“ (GLAM) möchte hier ansetzen und erstmalig eine umfassende, metaphysisch präzise und analytisch scharfe Theorie von Geschlecht vorlegen, die auch die normativen Dimensionen des Phänomens mitbedenkt. Wie sein Titel nahelegt, adressiert GLAM dabei Fragen in zwei Bereichen – der Sprachphilosophie und der Metaphysik. Eine Arbeitshypothese ist, dass Erwartungen eine unterexplizierte aber entscheidende Rolle im Verständnis von Geschlecht spielen, sowohl auf metaphysischer als auch auf sprachlicher Ebene (z.B. im Rahmen einer expressivistischen Semantik). Ein Augenmerk von GLAM liegt daher auch auf einer genauen Analyse der Natur und Rationalität von normativen im Gegensatz zu empirischen Erwartungen. Im Detail wird das Projekt u.a. die Hypothese untersuchen, dass eine Person eine Frau ist (in zumindest einem wichtigen Sinne von „Frau“), wenn sie normativ erwartet, im Einklang mit bestimmten Normen behandelt zu werden, die sie für die relevanten Normen für Frauen hält.
DFG-Verfahren Emmy Noether-Nachwuchsgruppen
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung