Detailseite
Projekt Druckansicht

Verwandtschaftsbeziehungen in griechischen Nekropolen: Archäologische und archäogenetische Befunde im Vergleich

Fachliche Zuordnung Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 559834121
 
Untersuchungsgegenstand des Projektes sind Strategien der Konstruktion von Verwandtschaft, die anhand von Nekropolenbefunden in griechischen Städten aus der klassischen Periode bis in die römische Kaiserzeit erschlossen werden können (4. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr.). Das Forschungsvorhaben konzentriert sich inbesondere auf zwei Fallbeispiele: 1) Die klassisch-hellenistischen Gräber der „Eckterrasse“ in der Kerameikos-Nekropole von Athen (Attika); 2) hellenistisch-römische Grabbezirke auf der Insel Kos (Dodekanes) im östlichen Mittelmeer. Erstmals werden durch eine Kombination von verschiedenen Ansätzen –Theorien aus dem Bereich der New Kinship Studies zusammen mit archäogenetischen und bioarchäologischen Methoden (aDNA-, Stabil-Isotopen- und Zahnstein-Analysen, 14C-Datierungen) – eine Vielzahl an Befunden und Quellen analysiert: die menschlichen Überreste der Bestattungen, die Ausstattung der Gräber, die Grabarchitektur und Grabmonumente mit ihren Bildern und Inschriften sowie antike literarische und epigraphische Texte zu Familienkonzepten und Erbrecht. Diese Untersuchung wird einerseits die räumliche Organisation von Gräberfeldern und Familiengrabbezirken im Hinblick auf Verwandtschaftsverhältnisse, Alter, Geschlecht, sozialen Status und Ethnizität erschließen. Zum anderen verspricht sie neue Erkenntnisse zur lokal geprägten Eigenlogik verschiedener Diskurse und Praktiken zur Herstellung von Verwandtschaft und Zugehörigkeit (kinship bzw. relatedness) im antiken Griechenland. Von besonderem Interesse ist die Frage nach der jeweiligen Häufigkeit bestimmter Formen der Deszendenzkonstruktion und Heiratsregelungen, wie beispielsweise konsanguine Ehen, Erbtöchterregelungen (epikleroi) oder Adoptionen, sowie nach der Mobilität von Männern, Frauen, ansässigen Fremden (Metöken) und Sklaven. Auf einer übergreifenden Ebene wird danach gefragt, wie sich das Verhältnis von „offizieller“ und „praktischer Verwandtschaft“ (Pierre Bourdieu) in einzelnen Polis-Gesellschaften beschreiben lässt und wie sich dieses im Sepulkralbereich manifestieren konnte. Der holistische, quellenkomparatistische Ansatz des Projektes wird eine Grundlage bieten für eine kritische Reflexion des Potentials und der Grenzen von aDNA-Analysen innerhalb der Klassischen Altertumswissenschaften.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Mitverantwortlich(e) Dr. Julia Gresky
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung