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Gene und Quellen: (a)DNA in der populären Genealogie in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Antragstellerin
Professorin Dr. Elisabeth Timm
Fachliche Zuordnung
Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 559840299
Das Interesse, mit (a)DNA-Analysen ‚Verwandte‘ historischer und/ oder heutiger Menschen zu ermitteln, verfolgen nicht nur die Archäogenetik und die Archäologien. Es zeigt sich auch im Alltag der populären Genealogie rund um die Archive. Wie verwerfen oder verwenden Familienforscher:innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz diesen neuen Datentyp? Während in der populären Genealogie weltweit die Verknüpfung von (a)DNA und Quellen zur Bestimmung von ‚Herkunft‘, ‚race‘ oder ‚ethnic identity‘ verbreitet ist, und während – neben der Polizei – postkoloniale politische und soziale Bewegungen bzw. Kulturerbeinitiativen auch auf (a)DNA-Analysen zur Legitimation ihrer Forderungen nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Citizenship oder Territorium zurückgreifen, manifestieren sich in der noch nicht erforschten deutschsprachigen Szene dazu auch Bedenken: zum Erkenntniswert, zur Kommodifizierung von Daten aus Genen / Quellen, sowie zum Datenschutz. Das aus den New Kinship Studies informierte, praxeographisch vorgehende Projekt untersucht dieses Gefüge mit der Kombination von ethnografischer und alltagshistorischer Forschung: In einer Ethnografie zum Umgang der populären Genealogie mit (a)DNA-Daten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die an den in Vereinen organisierten Gruppen ansetzt (Dissertationsforschung), und in einer wissensarchäologischen Rekonstruktion der Resonanz von ‚Genetik‘ bzw. (a)DNA-Technologie in populären deutschsprachigen genealogischen Zeitschriften seit Mitte des 20. Jahrhunderts (Antragstellerin). Damit will das Projekt Erkenntnisse in vier Feldern erzielen: 1. Formate und Zirkulation von (a)DNA-Daten in der Praxis der Familienforscher:innen, 2. ihr Sozialprofil und die Anlässe ihrer Auseinandersetzung mit diesem Datentyp, 3. ihre Aussagen und Praktiken zu Eigentum und Datenschutz bezüglich ‚Genen‘/ ‚Quellen‘, und 4. die von ihnen entwickelten Sinngebungen und Legitimationsweisen für oder gegen die Familienforschung mit (a)DNA. Das Projekt untersucht die Resonanz von (a)DNA in der populären Genealogie in Österreich, Deutschland und der Schweiz als Fall, der unser Wissen über die alltägliche Aneignung von ‚Genetik‘ und unser Wissen über die populäre Verknüpfung von Genetik und Geschichte seit Mitte des 20. Jahrhunderts erweitert. Gleichwohl werden die Ergebnisse nicht als kulturelle Ausprägungen nationaler Container gedeutet, sondern verstanden als territorialisierte Manifestation einer Hochtechnologie im Namen von ‚Verwandtschaft‘ und ‚Geschichte‘, die Laien bei ihrer Verwendung von genetischem Wissen und genetischen Daten hervorbringen. Mit der ethnographischen und der wissensarchäologischen Forschung möchte das hier vorgeschlagene Projekt eine Perspektive etablieren, die populäre Genealogie und populäre Genetik als engverbundene Phänomene versteht und das am Beispiel ihrer Ausprägung in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einer vertieften Fallstudie analysiert.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Israel
Kooperationspartner
Amir Teicher, Ph.D.
