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Digitale Single-Session Intervention für Soziale Angst über die Lebensspanne – SEAL
Antragsteller
Dr. Matthias Domhardt
Fachliche Zuordnung
Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 560025923
Soziale Angststörungen (SAS) gehören zu den häufigsten psychischen Störungen über die Lebensspanne und sind mit einer erheblichen Belastung sowie zahlreichen Funktionseinschränkungen verbunden. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) weist als Therapieverfahren die besten empirischen Wirksamkeitsnachweise über alle Altersgruppen hinweg auf; die meisten Betroffenen mit SAS erhalten jedoch keine evidenz-basierte Behandlung. Die internet-basierte KVT (iKVT) kann als skalierbares und kosten-effizientes Behandlungsformat dazu beitragen, bestehende Behandlungslücken zu verringern. Meta-Analysen belegen die Wirksamkeit von iKVT bei Jugendlichen und Erwachsenen mit SAS bei mittleren bis großen Effektstärken. Insgesamt jedoch besteht noch ein erheblicher Optimierungsbedarf der iKVT für SAS, da es häufig zu einer geringen Interventionsadhärenz kommt und viele Patient*innen keine vollkommene Genesung erreichen. Single-Session Interventionen (SSI) könnten zu einer weiteren Verbesserung der psychischen Gesundheitsversorgung beitragen, indem sie verschiedene Behandlungsbarrieren, die mit konventionellen Interventionen mit mehreren Sitzungen verbunden sind, überwinden helfen – und dabei klinisch bedeutsame und schnelle Therapieerfolge erzielen. SSI könnten dabei besonders für Personen geeignet sein, welche Schwierigkeiten aufweisen sich längeren Behandlungsformaten zu widmen und ein hohes Risiko aufweisen, vorzeitig eine Behandlung abzubrechen. Bisherige Studien deuten positive Effekte von SSI bei verschiedenen psychischen Störungen an. Jedoch ist es bislang völlig unklar, ob die vielversprechenden Effekte von SSI auch für SAS gelten, und die Befunde auch auf verschiedene Altersgruppen generalisiert werden können. Weiterhin gilt es zu untersuchen für welche Personen Standard-Behandlungen mit mehreren Sitzungen oder SSI besser geeignet sind, und ob sich die Veränderungsmechanismen zwischen diesen Varianten von iKVT für SAS unterscheiden. Das Projekt SEAL soll in der Schweiz und Deutschland durchgeführt werden, und zielt darauf ab, die erste randomisiert kontrollierte Studie zu sein, die eine digitale SSI für SAS auf ihre Wirksamkeit hin evaluiert. Dabei sollen insgesamt 420 Jugendliche und Erwachsene mit einer diagnostizierten SAS rekrutiert werden. Der primäre Outcome sind Symptome einer SAS gemessen mit dem Social Phobia Inventory. Sekundäre Outcomes sind unter anderem depressive Symptome, Lebensqualität, soziales Funktionsniveau und mögliche negative Effekte. Gleichzeitig sollen verschiedene mögliche Moderatoren und Mediatoren, welche aus dem kognitiven Modell der SAS abgeleitet sind, untersucht werden, um herauszufinden für wen und auf welche Weise die Interventionen wirken. Insgesamt besitzt das Projekt das Potential zu einer Verbesserung der Versorgung von Menschen mit SAS beizutragen und für die empirisch fundierte Weiterentwicklung digitaler Interventionen entscheidende wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Schweiz
Mitverantwortlich
Professor Dr. Harald Baumeister
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Professor Dr. Thomas Berger; Professorin Dr. Stefanie Julia Schmidt
