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Religiöse Identität im goldenen Zeitalter des Islam: Kollektive Identitäten und Erinnerungskulturen von Juden, Christen und Muslimen im Spiegel arabischer Kontroversliteratur

Antragsteller Dr. Bernhard Kronegger
Fachliche Zuordnung Katholische Theologie
Mittelalterliche Geschichte
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 560174735
 
Mit dem Vorhaben soll die auf Arabisch verfasste religiöse Kontroversliteratur des Mittelalters mithilfe der Methoden, die für die Untersuchung von kollektiven Identitäten und Erinnerungskulturen entwickelt wurden, untersucht werden. Die einzigartigen interreligiösen Dynamiken der Blütezeit des Islam haben bisher in der kirchengeschichtlichen Forschung kaum beachtete Quellenbestände produziert. Mithilfe der interdisziplinären Untersuchungsmethoden soll untersucht werden, wie religiöse Identitäten im Rahmen von interreligiösen Dialogen, Polemiken und theologischen Disputen konstruiert, verhandelt und erinnert wurden. Als Quellen sollen zentrale Werke verschiedener Literaturgattungen, darunter Apologien, Polemiken und die islamische Tradition des Kalām, daraufhin analysiert werden, wie diese Interaktionen zur Schaffung des Selbstverständnisses der unterschiedlichen Gruppen beigetragen hat. Die besonderen religiösen Rahmenbedingungen, die durch die Herrschaft der schiitischen Buyiden in Mesopotamien und der Fatimiden in Ägypten bedingt waren, ermöglichten auch Vertretern religiöser Minderheiten, mit muslimischen Gelehrten Disputationen auf Augenhöhe auszutragen. Es gab somit eine gänzlich andere Dynamik, innerhalb derer diese Kontroversliteratur entstand, als im christlichen Europa, wo ähnliche Dialoge oft unter Zwang und zu asymmetrischen Bedingungen stattfanden. Christliche Philosophen, wie zum Beispiel Yaḥyā ibn ˁAdī, konnten im Wissenschaftsbetrieb Bagdads zu führenden Gelehrten aufsteigen und einen multireligiösen Schülerkreis um sich sammeln. Die religiösen Kontroversen, die sich zwischen ihm und seinen jüdischen und muslimischen Kollegen und Schülern entfalteten, zeigen, wie in diesem akademischen Umfeld religiöse Identitäten herausgefordert und verteidigt wurden. Methodologisch stützt sich das Projekt auf Konzepte der Identitätstheorie, insbesondere auf das der kollektiven Identität und des sozialen Gedächtnisses, sowie auf das von Jan und Aleida Assmann entwickelte Modell des kulturellen Gedächtnisses. Ziel dieses Projekts ist es, umfassend zu analysieren, wie religiöse Kontroversen die kollektiven Identitäten in der mittelalterlichen islamischen Welt geformt haben und neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Juden, Christen und Muslimen zu eröffnen. Das Projekt verspricht weitreichende neue Erkenntnisse über interreligiöse Beziehungen im Mittelalter und die historische Entwicklung der religiösen Identität zu gewinnen und zur bisherigen Forschung wertvolle außereuropäische Perspektiven zur Geschichte des Christentums, des Islams und des Judentums hinzuzufügen. Im Rahmen der Förderung durch das Walter-Benjamin-Programm soll eine Pilotstudie erstellt werden, mit deren Hilfe Förderung in einem längerfristigen Format beantragt werden soll.
DFG-Verfahren WBP Stipendium
Internationaler Bezug Österreich
 
 

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