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Atlantische Kreuzungen: Der Theorieapparat zwischen Amerika und Deutschland, 1965-2008
Antragsteller
Gregory Jones-Katz, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 560418441
Atlantic Crisscrossings: The Theory Apparatus between America and Germany, 1965-2008 nutzt eine Fülle von Archivmaterialien und bewertet veröffentlichte Texte neu, um den wichtigen Strang literaturwissenschaftlicher Theorieproduktion und -rezeption zwischen Amerika und Deutschland zu historisieren und dabei in Bezug mit bisher vernachlässigten Kontexten zu setzen, die Veröffentlichungspolitiken, akademische Politik, zentrale institutionelle Rahmenbedingungen sowie kulturelle Ereignisse und Trends umfassen. Theorie ist ein intellektueller Hybrid: Sie ist eine Reihe von Interpretationstechniken, die das Ziel haben, die Struktur kultureller Objekte aufzudecken und herauszufinden, wie diese Struktur die Bedeutung dieser Objekte prägt. Die Geschichte beginnt im Jahr 1965 mit der Gründung des National Endowment for the Humanities in America und des Instituts für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin, die beide den Ausbau der Literaturwissenschaft unterstützten. Sie endet im Jahr 2008: Nun gewann der Diversitätsdiskurs an Relevanz und entkoppelte sich von der Theorie als Hauptdiskurs; zudem beeinträchtigte die globale Finanzkrise die Wissensproduktion in und zwischen Amerika und Deutschland nachhaltig. Diese Ereignisse trugen dazu bei, eine postliterarische Intellektualität einzuläuten. Während das Projekt die Jahre 1965–1989 historisiert, konzentriert es sich auf das intellektuelle Netzwerk, das die Literaturwissenschaft in Amerika und Westdeutschland in vielfacher Weise durchzieht. Die Studie historisiert die Jahre 1989-2008, also nach Beginn der deutschen Wiedervereinigung, und betrachtet Deutschland als Ganzes. Meine Vorstellungen eines „Theorieapparats“ lassen sich mit Michel Foucaults Überlegungen zum Dispositiv in Verbindung setzen: institutionelle, materielle und administrative Mechanismen und Wissensstrukturen, die Wissenschaftszentren, Veranstaltungen, Publikationen, Verlage, Personen und Universitäten umfassen, sorgten dafür, dass sich Theorie in der Literaturwissenschaft jenseits des Nordatlantiks in bestimmten Momenten als Reaktion auf spezifische Bedürfnisse auskristallisierte. Meine Hypothese lautet, dass die Theorie in der Literaturwissenschaft, insbesondere in der vergleichenden Literaturwissenschaft – entgegen der geläufigen europäischen Ursprungsgeschichte – in und zwischen Amerika und Deutschland entstand, da sie das durchlässigste Feld für transatlantische Überschneidungen darstellte. Theorie wurde durch Transformations- und Übersetzungsakte „mit dem Ziel der Wissensproduktion“ durch einen Theorieapparat produziert. Theorien wurden zu kognitiven Gütern, die „über Disziplingrenzen hinweg übertragen“ wurden und dazu beitrugen, das „Zeitalter der Theorie“ einzuleiten und bis zum Anbruch der post-literarischen Welt aufrechtzuerhalten. Atlantic Crisscrossings eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte der Theorie und die Bereiche der transnationalen Geistes- und Kulturgeschichte.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
